
Der Status Quo hat sich verschoben. Wir leben in einer Ära, in der Information und Dienstleistung nicht mehr an Öffnungszeiten gebunden sind. Sie sind sofort verfügbar – jederzeit, überall. Während wir im privaten Sektor längst daran gewöhnt sind, nachts um 3 Uhr eine Bestellung bei Zalando aufzugeben oder am Wochenende Support per Chatbot zu erhalten, hinkt der B2B-Sektor oft hinterher.
Doch die Erwartungshaltung hat sich grundlegend gewandelt. Die Menschen, die abends nahtlose digitale Erlebnisse genießen, sind dieselben, die tagsüber Entscheidungen über Millionenbudgets treffen. Wenn ein B2B-Portal am Wochenende "geschlossen" ist oder Informationen hinter komplexen Login-Schranken versteckt, ist das nicht mehr nur ein Ärgernis. Es ist ein Wettbewerbsnachteil.
"Always On" bedeutet dabei nicht, dass Ihre Mitarbeiter 24/7 am Schreibtisch sitzen müssen. Es bedeutet, dass Ihre Systeme, Daten und Prozesse so intelligent aufgesetzt sind, dass sie Kundenbedürfnisse in Echtzeit bedienen – unabhängig von menschlicher Anwesenheit.
Die Evolution der Erwartung: Das Smartphone als Fernbedienung

Der Technologie-Analyst Benedict Evans prägte den Satz: "Das Smartphone ist die Fernbedienung für unser Leben." (Benedict Evans, "The Smartphone and the Sun"). Diese Aussage ist heute wahrer denn je.
Statistiken belegen diese fundamentale Verhaltensänderung: Der Durchschnittsmensch checkt sein Telefon 144 Mal am Tag (Reviews.org, 2023). Das sind 144 Momente der Interaktion, der Suche, der Informationsaufnahme. Diese Gewohnheit legt man nicht am Werkstor oder beim Betreten des Büros ab.
Work-Life-Integration als Treiber
Früher gab es eine strikte Trennung zwischen B2B und B2C. Heute erleben wir eine totale Work-Life-Integration. Wir checken Slack in der Bahn, beantworten E-Mails beim Kaffeebrühen und recherchieren Lieferanten auf dem Tablet, während wir auf der Couch sitzen.

Das bedeutet: Ihre B2B-Zielgruppe agiert wie Konsumenten. Sie erwarten:
- Geschwindigkeit: 53% der Nutzer verlassen eine mobile Seite, wenn sie länger als 3 Sekunden lädt.
- Verfügbarkeit: Wenn Informationen nicht sofort zugänglich sind, wechseln 68% der B2B-Käufer zum Wettbewerber.
Wer in diesen Mikro-Momenten der Aufmerksamkeit nicht präsent und reaktionsfähig ist, findet schlichtweg nicht statt.
Die Infrastruktur der Verfügbarkeit: Warum alte Systeme scheitern
Das Problem vieler B2B-Unternehmen ist nicht der Wille, sondern die Architektur. Monolithische Legacy-Systeme sind oft starr, langsam und nicht für die Echtzeit-Ausspielung von Daten über verschiedene Kanäle (Web, Mobile, Social, Chat) gemacht.
Hier kommt die technologische Antwort ins Spiel: Headless-Architekturen und API-First-Ansätze.
Das Zalando-Prinzip im B2B
Zalando hat die Verfügbarkeit gemeistert, indem es drei Prinzipien verfolgt: Fast, Searchable, Instant. Seiten laden sofort, Produkte sind extrem einfach auffindbar, der Checkout ist reibungslos.
Um dieses Level im B2B zu erreichen, benötigen Unternehmen eine modulare Infrastruktur – oft zusammengefasst unter dem Begriff MACH (Microservices, API-first, Cloud-native, Headless).
- Headless Commerce: Trennt das Frontend (was der Kunde sieht) vom Backend (Datenbanken). Das ermöglicht es, Inhalte blitzschnell auf jedes Gerät zu pushen, ohne das Kernsystem zu gefährden.
- AI Readiness: Nur wenn Daten sauber strukturiert und per API verfügbar sind, können KI-Systeme darauf zugreifen, um z.B. Chatbots in Echtzeit mit korrekten Produktinformationen zu füttern.
Von der Anfrage zum Abschluss in Echtzeit
Stelle Dir folgendes Szenario vor: Ein Einkäufer sucht am Sonntagabend nach einer spezifischen technischen Komponente.
Szenario A (Traditionell):
Der Einkäufer landet auf einer Website. Er findet ein PDF-Datenblatt von 2021. Preise sind nur auf Anfrage verfügbar ("Bitte kontaktieren Sie unseren Vertrieb"). Er schickt eine E-Mail. Antwortzeit: 2 Tage.
Ergebnis: Hohe Wahrscheinlichkeit des Abbruchs.
Szenario B (Always On & AI-Supported):
Der Einkäufer landet auf der Website. Eine AI-gestützte Suche versteht seine Anfrage ("Ersatzteil für Maschine X, Baujahr 2019") sofort, auch wenn er nicht die exakte Artikelnummer kennt. Der Live-Bestand wird über eine API in Echtzeit angezeigt. Ein AI-Chatbot beantwortet eine Rückfrage zur Kompatibilität sofort, basierend auf den technischen Dokumentationen. Er kann die Bestellung direkt auslösen oder ein verbindliches Angebot generieren.
Ergebnis: Conversion noch vor Montagmorgen.
Dies ist keine Zukunftsmusik. Unternehmen, die auf intelligente Automatisierung setzen, sehen signifikante Steigerungen in der Kundenzufriedenheit und Effizienz.
Video First: Emotionale Verfügbarkeit
"Always On" bezieht sich nicht nur auf Daten, sondern auch auf emotionale Erreichbarkeit. Im B2B wird Video oft noch stiefmütterlich behandelt. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
- LinkedIn Video Views stiegen 2024 um 36% auf 154 Milliarden (LinkedIn Creative Labs, 2025).
- Aber: Nur 7% der B2B-Video-Ads nutzen menschliche Emotionen.
- Dabei steigert authentische Emotion die Engagement-Rate um 78%.
Ein Video, in dem ein echter Experte ein Problem löst, schafft Vertrauen in Sekunden – oft effektiver als jedes Whitepaper. Es macht Ihre Expertise "verfügbar" und greifbar.
Fazit: Wer jetzt nicht erreichbar ist, existiert morgen nicht mehr
Die Transformation zu einer "Always On"-Organisation ist kein IT-Projekt, sondern eine strategische Neuausrichtung. Es geht darum, die Marke als ein kohärentes System zu verstehen, in dem Strategie, Design und Technologie ineinandergreifen.
Was jetzt zu tun ist:
- Auditierung: Überprüfen Sie Ihre digitalen Touchpoints. Wo entstehen Wartezeiten? Wo brechen Nutzer ab?
- Technologie-Check: Ist Ihre Architektur bereit für API-First und AI? Blockieren alte Monolithen Ihre Geschwindigkeit?
- Content-Strategie: Sind Ihre Inhalte (auch Video) snackable und mobil optimiert?
Wollen Sie Ihre B2B-Plattform zur "Always On"-Maschine transformieren?
Lassen Sie uns darüber sprechen, wie wir Strategie, Technologie und Design verbinden, um Ihre Marke zukunftssicher zu machen.




