Growth Marketing

André Puschinsky01.10.2025

Als wachstumsorientierter Entscheider investieren Sie erhebliche Summen in digitale Werbung. Doch wie können Sie sicher sein, dass Ihre Kampagnen tatsächlich zusätzliche Verkäufe generieren und nicht nur Nutzer ansprechen, die ohnehin gekauft hätten? Standard-Reports zeigen Korrelationen, aber keinen kausalen Beweis. Um den wahren, inkrementellen Beitrag Ihrer Werbung zu quantifizieren und Ihren Marketing-ROI präzise zu steuern, gibt es eine wissenschaftlich fundierte Methode: Conversion Lift Studies. Diese kontrollierten Experimente sind der Goldstandard, um den tatsächlichen Uplift Ihrer Kampagnen zu messen und strategische Budgetentscheidungen auf der Basis harter Fakten zu treffen.

1. Was sind Conversion Lift Studies?

Eine Conversion Lift Study, oft auch als Lift-Test bezeichnet, ist ein kontrolliertes Experiment, das den zusätzlichen (inkrementellen) Effekt einer Werbekampagne auf eine gewünschte Conversion-Aktion misst. Das Grundprinzip ist die zufällige Aufteilung einer Zielgruppe in zwei statistisch identische Gruppen:

  1. Testgruppe (Treatment Group): Diese Gruppe erhält die Werbeanzeigen der zu testenden Kampagne.
  2. Kontrollgruppe (Control Group): Diese Gruppe wird bewusst von der Kampagne ausgeschlossen und sieht die Anzeigen nicht.

Am Ende des Testzeitraums wird die Anzahl der Conversions (z. B. Käufe, Anmeldungen) in beiden Gruppen verglichen. Der messbare Unterschied in den Ergebnissen ist der Conversion Lift – der zusätzliche Anstieg an Conversions, der kausal und ausschließlich auf die Werbekampagne zurückzuführen ist. Die Conversions in der Kontrollgruppe repräsentieren die organische Grundlinie, die ohne die spezifische Werbemaßnahme ohnehin erzielt worden wäre.

Der strategische Zweck einer Conversion Lift Study ist es, den tatsächlichen ROI einer Kampagne zu beweisen. Sie beantwortet die kritische Frage: „Generiert diese Kampagne wirklich zusätzliches Geschäft, oder bezahlen wir nur für Conversions, die wir sowieso bekommen hätten?“ Mit dieser Erkenntnis können Sie Ihre Marketinginvestitionen optimieren und Budgets von ineffizienten Kanälen auf solche umschichten, die nachweislich für Wachstum sorgen.

2. Methoden und typische Anwendungsbeispiele

Conversion Lift Studies werden in der Regel direkt auf den großen Werbeplattformen wie Meta (Facebook/Instagram) oder Google (YouTube) eingerichtet. Diese Plattformen bieten integrierte Tools, die eine saubere Durchführung des Experiments gewährleisten.

Methoden der Gruppenzuteilung:

  • Nutzerbasierte Aufteilung: Dies ist die gängigste Methode im digitalen Marketing. Die Plattform teilt eine definierte Zielgruppe (z. B. alle Website-Besucher der letzten 30 Tage) zufällig in eine Test- und eine Kontrollgruppe auf. Nur die Testgruppe wird mit den Anzeigen bespielt. Dies eignet sich ideal für die Messung von Retargeting- oder Prospecting-Kampagnen.
  • Geografische Aufteilung (Geo-Lift): Diese Methode wird für Kanäle verwendet, die keine nutzergenaue Aussteuerung erlauben (z. B. TV, Radio). Hier werden geografische Gebiete mit ähnlichen Merkmalen in Test- und Kontrollregionen aufgeteilt. Die Werbemaßnahme wird nur in den Testregionen durchgeführt. Der Lift wird dann durch den Vergleich der Verkaufszahlen in den jeweiligen Regionen ermittelt.
  • Ghost Ads (Meta-spezifisch): Eine hochentwickelte Methode, die Meta verwendet. Für die Kontrollgruppe wird eine „Geisteranzeige“ in der Anzeigenauktion platziert, die jedoch nie ausgeliefert wird. Dies stellt sicher, dass die Kontrollgruppe aus Nutzern besteht, die für eine Anzeigenschaltung infrage gekommen wären, was die Vergleichbarkeit der Gruppen maximiert.

Typische Anwendungsbeispiele für Entscheider:

Rechtfertigung des Retargeting-Budgets:

  • Frage: Wie viele Verkäufe, die wir dem Retargeting zuschreiben, wären ohnehin erfolgt?
  • Studie: Eine Lift Study zeigt, dass Ihre Retargeting-Kampagne einen inkrementellen Lift von 3.000 Käufen generiert hat. Die restlichen 7.000 Käufe von Nutzern aus der Testgruppe wären auch ohne die Anzeige erfolgt. Sie können nun den echten Cost-per-Incremental-Acquisition berechnen und den wahren ROI beweisen.

Bewertung von Prospecting-Kampagnen:

  • Frage: Erreichen wir mit unserer aufwändigen Video-Kampagne zur Neukundengewinnung wirklich neue Käufer?
  • Studie: Die Studie ergibt, dass die Kampagne keinen statistisch signifikanten Lift bei den Verkäufen erzielt. Sie liefert jedoch einen deutlichen Lift bei den Newsletter-Anmeldungen. Das ist eine strategische Erkenntnis: Die Kampagne funktioniert, aber eher für die Lead-Generierung als für den Direktverkauf.

Optimierung von Werbemitteln und Zielgruppen:

  • Frage: Welches unserer beiden neuen Werbevideos überzeugt unentschlossene Kunden besser?
  • Studie: Sie können eine A/B/C-Lift-Study durchführen. Gruppe A sieht Video 1, Gruppe B sieht Video 2 und Gruppe C ist die Kontrollgruppe. Das Ergebnis zeigt, welches Video den höheren inkrementellen Conversion Lift erzielt und somit die bessere kreative Umsetzung ist.

3. Warum Lift Studies im modernen Marketing unverzichtbar sind

In einer Zeit, in der das Tracking durch Datenschutzmaßnahmen immer lückenhafter wird, bieten Conversion Lift Studies einen robusten und zukunftssicheren Ansatz zur Erfolgsmessung.

  • Sie liefern kausale Beweise statt Korrelationen: Attributionsmodelle können Zusammenhänge zeigen, aber eine Lift Study beweist Ursache und Wirkung. Das ist die stärkste Argumentationsgrundlage für strategische Budgetentscheidungen.
  • Sie decken Budgetverschwendung auf: Lift Studies entlarven Kampagnen, die hohe Conversion-Zahlen in den Reports ausweisen, aber kaum inkrementellen Wert schaffen. Dies betrifft oft Retargeting- und Branded-Search-Kampagnen, die auf bereits kaufbereite Nutzer abzielen.
  • Sie funktionieren in einer Welt ohne Cookies: Da Lift Studies auf dem Vergleich von aggregierten Gruppenergebnissen basieren, sind sie nicht auf die lückenlose Verfolgung einzelner Nutzer über Cookies angewiesen. Das macht sie zu einer der wichtigsten Messmethoden in der Cookieless Era.
  • Sie ermöglichen eine ehrliche Leistungsbewertung: Anstatt Kanäle zu belohnen, die nur den letzten Klick abgreifen, fördern Lift Studies eine Kultur, in der der tatsächliche, zusätzliche Beitrag zum Geschäftserfolg zählt.

4. Best Practices: Erfolgreiche Conversion Lift Studies durchführen

Die Qualität Ihrer Erkenntnisse hängt von der sauberen Planung und Durchführung der Studie ab.

1. Definieren Sie eine klare Hypothese

Beginnen Sie immer mit einer klaren Frage. Statt „Funktioniert die Kampagne?“ fragen Sie: „Generiert unsere Herbst-Kampagne auf Facebook einen inkrementellen Anstieg der Online-Verkäufe von mindestens 10 % mit einem positiven Return on Ad Spend?“

2. Sorgen Sie für statistische Aussagekraft

Eine Studie benötigt genügend Daten, um zufällige Schwankungen auszuschließen. Die Werbeplattformen geben in der Regel Empfehlungen zum Mindestbudget und zur Laufzeit, um eine statistische Signifikanz (üblicherweise 90 % oder 95 %) zu erreichen. Planen Sie ausreichend Budget und eine Laufzeit von mindestens zwei Wochen, idealerweise länger, ein.

3. Halten Sie externe Einflüsse konstant

Vermeiden Sie während der Laufzeit der Studie größere, ungeplante Änderungen an Ihrer Website, Ihren Preisen oder anderen großen Werbekampagnen. Solche externen „Schocks“ können die Ergebnisse verzerren und die Interpretation erschweren.

4. Vertrauen Sie dem Prozess und seien Sie diszipliniert

Widerstehen Sie dem Drang, eine Studie vorzeitig zu beenden, nur weil die ersten Ergebnisse nicht wie erhofft ausfallen. Die statistische Signifikanz wird oft erst gegen Ende des Testzeitraums erreicht. Ein diszipliniertes Vorgehen ist entscheidend für valide Ergebnisse.

5. Häufige Herausforderungen und strategische Lösungen

Die Durchführung von Lift Studies kann auf organisatorische und methodische Widerstände stoßen.

„Wir wollen nicht auf potenzielle Conversions in der Kontrollgruppe verzichten.“

Problem: Die Sorge, durch das Zurückhalten von Werbung in der Kontrollgruppe Umsatz zu verlieren, ist die größte Hürde für die Einführung von Lift Studies.

Lösung: Betrachten Sie dies als eine strategische Investition in Wissen. Die Kosten des „Nicht-Wissens“ sind meist viel höher. Wenn Sie über Jahre hinweg 30 % Ihres Budgets in eine Kampagne investieren, die keinen inkrementellen Wert liefert, ist der finanzielle Schaden weitaus größer als der kurzfristige, potenzielle Umsatzverlust in einer kleinen Kontrollgruppe (oft nur 10 % der Zielgruppe).

„Das Ergebnis der Studie ist flach – was nun?“

Problem: Die Studie zeigt keinen statistisch signifikanten Lift, was als Misserfolg der Kampagne gewertet wird.

Lösung: Dies ist kein Misserfolg, sondern eine wertvolle und oft profitable Erkenntnis. Sie haben soeben bewiesen, dass diese spezifische Kampagne unter den getesteten Bedingungen keine zusätzlichen Conversions generiert. Sie können dieses Budget nun selbstbewusst einsparen oder in eine andere, vielversprechendere Strategie investieren. Ein „flaches“ Ergebnis ist ein klarer Aufruf zur Optimierung.

„Die Einrichtung ist zu technisch und kompliziert.“

Problem: Marketing-Teams fühlen sich von der statistischen Natur der Tests überfordert.

Lösung: Die großen Werbeplattformen haben diesen Prozess stark vereinfacht. In Meta und Google können Sie eine Lift Study mit wenigen Klicks aufsetzen. Die Plattformen führen Sie durch den Prozess, geben Empfehlungen für die Studiengröße und bereiten die Ergebnisse am Ende in leicht verständlichen Dashboards auf. Für den Einstieg ist kein tiefes statistisches Fachwissen erforderlich.

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