Webdesign

André Puschinsky25.09.2025

Für Marketing-Entscheider steht eine der fundamentalsten Veränderungen der letzten Dekade bevor: die Abschaffung der Drittanbieter-Cookies. Was jahrelang das Fundament für personalisierte Werbung, Retargeting und kanalübergreifendes Tracking war, wird mit der finalen Umstellung im Chrome-Browser ab 2025 Geschichte sein. Diese Entwicklung ist kein kleines technisches Update, sondern ein Paradigmenwechsel, der die Spielregeln des digitalen Marketings neu schreibt. Die Unsicherheit ist groß, und die Frage, wie sich dies auf Kampagnen und deren Messbarkeit auswirkt, beschäftigt die gesamte Branche. Das strategische Verständnis dieser Veränderung und die proaktive Anpassung sind entscheidend, um auch in Zukunft erfolgreich zu wachsen und den Anschluss nicht zu verlieren.

1. Was sind Drittanbieter-Cookies und was war ihr Zweck?

Um die Tragweite der Veränderung zu verstehen, muss man zunächst den Unterschied zwischen First- und Third-Party-Cookies kennen.

  • First-Party-Cookies (Erstanbieter-Cookies): Diese Cookies werden von der Website gesetzt, die Sie gerade besuchen. Sie sind essenziell für eine gute Nutzererfahrung. Sie speichern beispielsweise Ihren Warenkorb, Ihre Login-Daten oder Ihre Spracheinstellungen. Diese Cookies sind von der Abschaffung nicht betroffen.
  • Third-Party-Cookies (Drittanbieter-Cookies): Diese Cookies werden von einer anderen Domain gesetzt als der, die Sie gerade besuchen. Ein typisches Beispiel ist ein Werbenetzwerk oder eine Social-Media-Plattform, die einen Tracking-Code auf einer Nachrichtenseite platziert.

Der strategische Zweck von Third-Party-Cookies war es, ein nutzerbasiertes, domainübergreifendes Profiling zu ermöglichen. Sie waren das technische Rückgrat für drei Kernbereiche des Performance-Marketings:

  1. Cross-Site-Tracking: Sie ermöglichten es, das Verhalten eines Nutzers über viele verschiedene, unabhängige Websites hinweg zu verfolgen. So konnte ein Werbenetzwerk lernen, dass ein Nutzer sich auf Seite A für Laufschuhe interessiert und ihm später auf Seite B passende Werbung dafür anzeigen.
  2. Retargeting: Die bekannteste Anwendung. Besuchte ein Nutzer Ihren Onlineshop und legte ein Produkt in den Warenkorb, ohne zu kaufen, konnte ihm genau dieses Produkt über Werbeanzeigen auf anderen Websites erneut präsentiert werden.
  3. Conversion-Messung: Sie halfen dabei, eine Conversion (z. B. einen Kauf) einem früheren Anzeigenklick auf einer anderen Website zuzuordnen (View-through- und Cross-Device-Attribution).

2. Warum werden Third-Party-Cookies abgeschafft?

Die Abschaffung ist keine willkürliche Entscheidung von Google, sondern die Konsequenz einer langjährigen Entwicklung, die von zwei zentralen Treibern befeuert wird.

  • Gesteigertes Datenschutzbewusstsein der Nutzer: Spätestens seit der Einführung der DSGVO sind Nutzer für den Umgang mit ihren persönlichen Daten sensibilisiert. Das Gefühl, von Werbung über das gesamte Internet „verfolgt“ zu werden, wird zunehmend als übergriffig empfunden. Die Forderung nach mehr Kontrolle und Privatsphäre wurde immer lauter.
  • Regulatorischer und wettbewerbsrechtlicher Druck: Datenschutzbehörden weltweit haben den Einsatz von Tracking-Technologien verschärft. Gleichzeitig haben andere Browser-Anbieter wie Apple (Safari) und Mozilla (Firefox) Third-Party-Cookies schon vor Jahren blockiert. Google stand unter massivem Druck, mit seinem Chrome-Browser, dem mit Abstand größten Marktführer, nachzuziehen, um nicht als datenschutzfeindlich wahrgenommen zu werden.

Googles Antwort auf diese Herausforderung ist die Privacy Sandbox – eine Sammlung von neuen Technologien, die personalisierte Werbung ermöglichen soll, ohne dabei die Identität einzelner Nutzer preiszugeben.

3. Wie wirkt sich die Veränderung auf das digitale Marketing aus?

Die Abschaffung der Third-Party-Cookies erschüttert die Grundpfeiler des bisherigen digitalen Marketings. Für Entscheider ist es entscheidend, die konkreten Auswirkungen auf ihre Kampagnen zu verstehen.

  • Klassisches Retargeting wird ineffektiv: Die Fähigkeit, einzelne Nutzer, die Ihre Website besucht haben, auf Tausenden anderen Websites gezielt wieder anzusprechen, wird massiv eingeschränkt. Die gewohnten Retargeting-Listen verlieren ihre Funktion.
  • Frequenzsteuerung (Frequency Capping) wird erschwert: Die Begrenzung, wie oft ein einzelner Nutzer eine bestimmte Anzeige sieht, wird ungenauer, da die Wiedererkennung des Nutzers über verschiedene Websites hinweg nicht mehr zuverlässig funktioniert. Dies birgt die Gefahr von höheren Streuverlusten und genervten Nutzern.
  • Zielgruppensegmentierung wird unschärfer: Die Möglichkeit, Zielgruppen basierend auf ihrem detaillierten Surfverhalten über viele Domains hinweg zu erstellen (z. B. „interessiert sich für Luxusreisen UND Golf“), wird stark reduziert. Das Targeting wird stärker kontext- und kohortenbasiert.
  • Attribution und Erfolgsmessung werden komplexer: Die lückenlose Nachverfolgung der Customer Journey von der ersten Display-Anzeige bis zum finalen Kauf wird schwieriger. View-through-Conversions, bei denen ein Nutzer eine Anzeige nur gesehen, aber nicht geklickt hat, sind kaum noch messbar.

4. Best Practices: So wappnen Sie sich für die Cookieless Future

Das Ende der Third-Party-Cookies ist nicht das Ende des digitalen Marketings, sondern der Beginn einer neuen Ära, die strategisches Umdenken erfordert. Unternehmen, die sich jetzt anpassen, sichern sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

1. Aufbau und Aktivierung von First-Party-Daten

Ihre eigenen Kundendaten werden zur wichtigsten Währung. Jeder direkte Kontaktpunkt zu Ihren Kunden ist eine Goldmine.

  • Sammeln Sie Daten wertorientiert: Bieten Sie einen echten Mehrwert im Austausch für Daten. Ein exklusiver Leitfaden, ein Rabattcode für die Newsletter-Anmeldung oder der Zugang zu einer Community sind starke Anreize.
  • Nutzen Sie eine Customer Data Platform (CDP): Führen Sie Daten aus allen Quellen (CRM, Website, E-Mail-Tool, Kassensystem) in einer CDP zusammen, um eine 360-Grad-Sicht auf Ihre Kunden zu erhalten und diese für personalisierte Kommunikation zu nutzen.

2. Setzen Sie auf kontextbezogenes Targeting

Werbung wird wieder stärker vom Umfeld geprägt sein. Es geht nicht mehr darum, wen Sie erreichen, sondern wo Sie ihn erreichen.

  • Platzieren Sie Anzeigen in relevanten Umfeldern: Wenn Sie Business-Software verkaufen, schalten Sie Anzeigen auf Branchen-Nachrichtenportalen oder in Fachblogs, anstatt zu versuchen, einzelne Geschäftsführer über das Web zu verfolgen.

3. Nutzen Sie die Technologien der Privacy Sandbox

Machen Sie sich mit den neuen, datenschutzfreundlichen Alternativen vertraut, die Google anbietet:

  • Topics API: Ermöglicht interessenbasiertes Targeting, indem der Browser dem Nutzer einige grobe Themen (z. B. „Sport“ oder „Kochen“) zuordnet, ohne seine Identität preiszugeben.
  • Protected Audience API (ehemals FLEDGE): Dient als Nachfolger für Retargeting. Die Zielgruppeninformationen bleiben auf dem Gerät des Nutzers und werden nicht an den Werbetreibenden weitergegeben.
  • Attribution Reporting API: Soll eine aggregierte und anonymisierte Messung von Conversions ermöglichen, ohne einzelne Nutzer zu identifizieren.

4. Stärken Sie Ihre eigenen Kanäle (Owned Media)

Ihre Website, Ihr Blog und Ihr E-Mail-Newsletter werden zu den wichtigsten Kommunikationskanälen, da Sie hier die volle Kontrolle haben.

  • Investieren Sie in hochwertigen Content: Schaffen Sie Inhalte, die so wertvoll sind, dass Nutzer freiwillig und regelmäßig auf Ihre Seite zurückkehren.
  • Bauen Sie eine loyale E-Mail-Liste auf: E-Mail-Marketing ist der direkteste und cookielose Weg, um mit Ihrem Publikum in Kontakt zu bleiben und es gezielt anzusprechen.

5. Häufige Herausforderungen und strategische Lösungen

Der Übergang in eine Welt ohne Drittanbieter-Cookies wirft verständliche Sorgen und Fragen auf.

„Unsere Retargeting-Kampagnen sind unsere profitabelsten. Was nun?“

Problem: Viele Unternehmen haben ihr Marketing stark auf Retargeting ausgerichtet und befürchten massive Umsatzeinbrüche.

Lösung: Diversifizieren Sie Ihre Strategie und nutzen Sie neue Ansätze.

  1. On-Site-Personalisierung: Konzentrieren Sie sich darauf, die Erfahrung für wiederkehrende Besucher auf Ihrer eigenen Website zu optimieren (mithilfe von First-Party-Daten).
  2. E-Mail-Automatisierung: Nutzen Sie Warenkorb-Abbrecher-Mails und andere automatisierte E-Mail-Sequenzen, um Nutzer gezielt zurückzuholen.
  3. Lookalike Audiences: Nutzen Sie Ihre besten Kundendaten auf Plattformen wie Google (Demand Gen) oder Meta, um neue Nutzer zu finden, die Ihren Bestandskunden ähneln.

„Wie können wir den ROI unserer Kampagnen noch messen?“

Problem: Die Sorge ist groß, dass ohne präzises Tracking die Bewertung der Marketing-Effizienz unmöglich wird.

Lösung: Die Messung wird anders, aber nicht unmöglich. Der Fokus verschiebt sich von individueller zu aggregierter Messung.

  1. Setzen Sie auf serverseitiges Tracking: Diese Methode verlagert das Tracking von Nutzer-Browsern auf Ihren eigenen Server, was es robuster gegen Tracking-Blocker macht und Ihnen mehr Datenhoheit gibt.
  2. Nutzen Sie Marketing-Mix-Modelle (MMM): Diese statistischen Modelle analysieren auf einer aggregierten Ebene, wie sich Veränderungen in den Marketingausgaben auf die Gesamtverkäufe auswirken, ohne einzelne Nutzer zu tracken.
  3. Fokus auf Kausalität: Führen Sie gezielte Experimente durch (z. B. regionale Tests, bei denen Sie in einer Region die Ausgaben erhöhen und die Auswirkungen messen), um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zu beweisen.

„Das klingt alles sehr technisch und aufwendig. Schaffen wir das?“

Problem: Kleinere und mittlere Unternehmen fühlen sich von der Komplexität der neuen Technologien und Strategien überfordert.

Lösung: Betrachten Sie es als eine strategische Chance und gehen Sie schrittweise vor.

  1. Beginnen Sie mit den Grundlagen: Der erste und wichtigste Schritt ist der Aufbau Ihrer First-Party-Datenstrategie. Starten Sie ein Projekt zur systematischen Sammlung und Nutzung von Kundendaten.
  2. Holen Sie sich Expertise ins Haus: Die Umstellung ist komplex. Die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Agentur oder einem Berater kann den Prozess beschleunigen und sicherstellen, dass Sie die richtigen Weichen für eine erfolgreiche, cookielose Zukunft stellen. Diese Investition zahlt sich durch zukunftssichere Marketing-Strukturen schnell aus.

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