Branding

André Puschinsky07.01.2026

Das Framework "Jobs to be Done" (JTBD) stellt einen Paradigmenwechsel in der strategischen Markenentwicklung dar. Es definiert Märkte nicht über Produkte oder demografische Zielgruppen, sondern über die fundamentalen Aufgaben und Fortschritte, die Menschen in ihrem Leben oder Arbeitsalltag erreichen wollen.

Im Kern besagt die Theorie: Kunden kaufen keine Produkte; sie "beauftragen" (hire) sie, um ein spezifisches Problem zu lösen oder einen gewünschten Zielzustand zu erreichen. Der Fokus verschiebt sich somit radikal vom "Was" (dem Produkt) zum "Warum" (der Motivation). Eine Marke, die ihren "Job" versteht, liefert nicht nur Features, sondern ermöglicht Transformation.

Der strategische Mehrwert: Warum JTBD über Relevanz entscheidet

Für entscheidungsträchtige Markenstrategien ist die präzise Definition der Jobs to be Done unerlässlich. Sie transformiert vage Zielgruppenbeschreibungen in handlungsleitende Insights. Wer versteht, welche funktionale, emotionale oder soziale Lücke ein Angebot schließt, gewinnt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

  • Strategische Orientierung: JTBD liefert den Kompass für die Positionierung. Es klärt die Rolle, die das Unternehmen im Leben des Kunden spielt.
  • Präzision in der Kommunikation: Messaging wird so geschärft, dass es nicht nur den Verstand, sondern die intrinsische Motivation der Zielgruppe adressiert.
  • Innovationskraft: Indem der Fokus auf dem ungelösten Problem liegt, öffnen sich Räume für neue Lösungen, die über reine Produktverbesserungen hinausgehen.
  • Messbarer Erfolg: Marketingmaßnahmen, die auf validierten Jobs basieren, erzielen höhere Konversionsraten, da sie echte Relevanz erzeugen.

Methodik: Die Ermittlung der wahren Motive

Die Identifikation von Jobs to be Done erfordert tiefgehende Nutzerforschung jenseits oberflächlicher Präferenzen. Es gilt, Entscheidungsprozesse zu dekodieren und den Moment zu identifizieren, in dem der Bedarf nach Veränderung akut wurde.

Entscheidende Analysefragen:

Anstatt nach Wünschen zu fragen, analysieren wir konkrete Entscheidungssituationen:

  • Der Auslöser: Was war der spezifische Moment, der den Status quo untragbar machte?
  • Das Hindernis: Was hat in der Vergangenheit frustriert oder eine Lösung verhindert?
  • Die Transformation: Welcher konkrete Fortschritt sollte durch den Kauf oder die Beauftragung erzielt werden?
  • Die Alternative: Was hätte beinahe dazu geführt, den Kauf abzubrechen?

Die drei Dimensionen eines Jobs

Ein "Job" ist selten eindimensional. Um eine ganzheitliche Markenstrategie zu entwickeln, müssen drei Ebenen berücksichtigt werden, die oft simultan wirken.

Funktionale Jobs (Die Aufgabe):

Das rationale, praktische Ziel. Der Kunde möchte eine spezifische Tätigkeit erledigen oder ein Problem beseitigen.

  • Beispiel: Ein Projekt effizient steuern oder von A nach B gelangen.

Emotionale Jobs (Das Gefühl):

Der psychologische Zustand, den der Kunde während oder nach der Erledigung der Aufgabe erleben möchte.

  • Beispiel: Sich souverän fühlen, Sicherheit gewinnen oder Stress vermeiden.

Soziale Jobs (Die Wahrnehmung):

Die Wirkung nach außen. Wie möchte der Kunde durch die Nutzung des Produkts von seinem Umfeld wahrgenommen werden?

  • Beispiel: Als kompetente Führungskraft gelten oder Zugehörigkeit zu einer modernen Peer-Group demonstrieren.

Strategische Differenzierung: Direkte vs. Indirekte Ziele

Häufig überdeckt eine offensichtliche Aufgabe ein tieferliegendes Bedürfnis. Exzellente Markenführung adressiert nicht nur das Sichtbare, sondern das Verborgene.

  • Das direkte Ziel (Offensichtlich): Die konkret benennbare Handlung (z. B. "Ich muss eine Softwarelizenz kaufen").
  • Das indirekte Ziel (Verborgen): Die eigentliche Absicht dahinter (z. B. "Ich will im Unternehmen als Innovationstreiber wahrgenommen werden und Kontrolle über Prozesse zurückgewinnen").

Wer die indirekten Ziele versteht und anspricht, schafft eine emotionale Bindung, die rein funktionale Wettbewerber nicht replizieren können.

Praxisbeispiele: JTBD in der Anwendung

Um die Theorie in strategische Praxis zu übersetzen, betrachten wir konkrete Szenarien aus unterschiedlichen Branchen:

Szenario 1: Mobilität (Carsharing)

  • Der Insight: Der Kunde besitzt kein Auto, benötigt aber Flexibilität.
  • Der Job to be Done: "Ermögliche mir spontane Mobilität ohne die administrativen und finanziellen Lasten von Eigentum."
  • Strategische Konsequenz: Der Anbieter verkauft keine Autofahrten, sondern Freiheit und Ungebundenheit.

Szenario 2: B2B SaaS (Projektmanagement)

  • Der Insight: Führungskräfte verlieren in Wachstumsphasen den Überblick und müssen Informationen redundant kommunizieren.
  • Der Job to be Done: "Gib mir die Kontrolle zurück und ermögliche mir, mein Team effizient zu führen, ohne als Mikromanager agieren zu müssen."
  • Strategische Konsequenz: Die Marke positioniert sich nicht über Features wie "Task-Listen", sondern über den Benefit "Leadership-Exzellenz".

Szenario 3: Ernährung (Convenience Food)

  • Der Insight: Gesundheitsbewusste Menschen scheitern im stressigen Alltag oft an ihren eigenen Ansprüchen.
  • Der Job to be Done: "Hilf mir, meine Identität als gesund lebender Mensch zu wahren, auch wenn ich keine Zeit zum Kochen habe."
  • Strategische Konsequenz: Das Produkt ist keine "Fertigmahlzeit", sondern ein "Gesundheits-Enabler".

Einsatzbereiche der JTBD-Methode

Die Anwendung von Jobs to be Done ist ein integrativer Prozess, der verschiedene Unternehmensbereiche synchronisiert:

  • Markenpositionierung: Definition des wahren Nutzens und Abgrenzung vom Wettbewerb durch Fokus auf Ergebnisse statt Features.
  • Produktentwicklung & Innovation: Identifikation ungelöster Aufgaben ("Underserved Needs") als Treiber für neue Lösungen.
  • Kommunikation & Messaging: Entwicklung einer Sprache, die Resonanz erzeugt, indem sie den gewünschten Fortschritt des Kunden verbalisiert.
  • Customer Journey Mapping: Verständnis der kritischen Momente, die eine Kaufentscheidung auslösen ("Trigger Events").
  • UX & Service Design: Gestaltung von Erlebnissen, die Barrieren abbauen und den Kundenfortschritt beschleunigen.

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