
In der Welt der Geschäftsprozessautomatisierung hat sich Make (ehemals Integromat) als eine extrem leistungsstarke und visuell intuitive Alternative zu anderen No-Code-Plattformen etabliert. Während viele Tools auf einfachen linearen Abläufen basieren, bietet Make eine flexible, diagrammbasierte Oberfläche, die es Unternehmen ermöglicht, komplexe, mehrstufige Workflows mit außergewöhnlicher Kontrolle und Transparenz zu erstellen. Für Marketingverantwortliche und strategische Entscheider ist Make ein Schlüsselwerkzeug, um die operative Effizienz zu transformieren und maßgeschneiderte Automatisierungslösungen zu schaffen, die weit über Standardintegrationen hinausgehen.
Was ist Make (Integromat)?
Make ist eine No-Code/Low-Code-Automatisierungsplattform, die es Nutzern ermöglicht, verschiedene Anwendungen und Online-Dienste miteinander zu verbinden, um wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren. Das Herzstück von Make ist sein visueller Editor, in dem Arbeitsabläufe nicht als Liste, sondern als dynamisches Diagramm dargestellt werden. Jeder Schritt im Prozess, jedes Modul, wird als ein Kreis auf einer Leinwand platziert und mit Linien verbunden, was den Fluss von Daten und Logik sofort verständlich macht.
Diese visuellen Abläufe, bei Make "Szenarien" genannt, können von einfachen Zwei-Schritt-Automatisierungen bis hin zu hochkomplexen Prozessen mit Dutzenden von Verzweigungen, Filtern und Fehlerbehandlungsroutinen reichen. Mit der Unterstützung von über 1.700 Apps und der Möglichkeit, jede API anzubinden, bietet Make eine nahezu unbegrenzte Flexibilität zur Optimierung von Geschäftsprozessen.
Wie funktioniert die Automatisierung mit Make?
Der visuelle Ansatz von Make unterscheidet sich grundlegend von listenbasierten Tools und bietet ein höheres Maß an Kontrolle und Übersichtlichkeit, insbesondere bei komplexen Szenarien.
- Visueller Szenario-Editor: Anstatt einen Trigger und eine Aktion untereinander aufzulisten, beginnen Sie auf einer leeren Leinwand. Sie fügen Ihr erstes Modul hinzu – den Trigger (z. B. "Neue E-Mail in Gmail empfangen"). Dieses erscheint als Symbol auf der Leinwand.
- Module hinzufügen und verbinden: Jede weitere Aktion wird als neues Modul hinzugefügt und mit dem vorherigen verbunden. Sie können Module per Drag-and-Drop anordnen, was den Datenfluss visuell nachzeichnet. Dies könnte ein Modul sein, das den Anhang der E-Mail in Google Drive speichert, gefolgt von einem Modul, das eine Benachrichtigung in Slack sendet.
- Fortgeschrittene Logik einbauen: Die wahre Stärke von Make liegt in seiner Fähigkeit, komplexe Logik visuell abzubilden. Mit dem "Router"-Modul können Sie einen Datenstrom auf mehrere Pfade aufteilen. So kann eine eingehende E-Mail je nach Absender oder Betreff unterschiedliche Aktionen auslösen. Filter zwischen den Modulen stellen sicher, dass ein Schritt nur ausgeführt wird, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
- Datenverarbeitung und -transformation: Make bietet leistungsstarke eingebaute Werkzeuge zur Manipulation von Daten. Sie können Texte formatieren, mit Formeln Berechnungen durchführen oder Datenstrukturen (wie Arrays) aggregieren und verarbeiten, bevor sie an die nächste App weitergegeben werden.
- Echtzeit-Debugging: Während Sie ein Szenario erstellen oder testen, können Sie in Echtzeit sehen, wie die Daten durch die einzelnen Module fließen. Sie können genau nachverfolgen, welche Informationen an jedem Punkt verarbeitet werden, was die Fehlersuche und Optimierung enorm vereinfacht.
Strategische Vorteile für Marketing und Unternehmen
Die Flexibilität von Make ermöglicht es Unternehmen, Automatisierungen zu bauen, die exakt auf ihre spezifischen Prozesse zugeschnitten sind, und schafft so einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Aufbau komplexer Marketing-Funnels
Standard-Automatisierungen stoßen oft an ihre Grenzen, wenn es um personalisierte Kundenansprachen geht. Mit Make können Sie hochgradig individuelle Funnels erstellen:
Trigger: Ein Kunde lädt ein Whitepaper herunter.
Workflow: Das Szenario prüft im CRM, ob der Kontakt bereits existiert.
- Pfad A (Neuer Kontakt): Der Kontakt wird im CRM angelegt, einer "Nurturing"-Sequenz im E-Mail-Tool hinzugefügt und das Vertriebsteam erhält eine Aufgabe in Asana.
- Pfad B (Bestehender Kontakt): Das Szenario prüft den Lead-Status. Ist er bereits ein "Marketing Qualified Lead", wird der zuständige Vertriebsmitarbeiter direkt per Slack benachrichtigt. Andernfalls wird der Kontakt-Score erhöht und eine Notiz im CRM hinzugefügt.
Intelligente Social-Media-Automatisierung
Make kann mehr als nur Inhalte zu posten. Sie können ein Überwachungssystem aufbauen:
Trigger: Ein neuer Beitrag erwähnt Ihre Marke auf X (Twitter) oder LinkedIn.
Workflow: Make analysiert den Text des Beitrags mit einem Sentiment-Analyse-Tool.
- Bei positivem Sentiment: Der Beitrag wird in einem "Positive Erwähnungen"-Kanal in Slack geteilt und der Link in einer Google-Tabelle für Testimonials gespeichert.
- Bei negativem Sentiment: Es wird sofort ein dringendes Ticket in Ihrem Support-System (z. B. Zendesk) erstellt und der Community-Manager benachrichtigt.
Datenaggregation für strategische Berichte
Marketingentscheider benötigen Daten aus vielen Quellen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Make kann als Daten-Drehscheibe fungieren:
- Trigger: Das Szenario läuft täglich zu einer festen Zeit.
- Workflow: Es ruft Leistungsdaten von Google Ads, Facebook Ads, Google Analytics und Ihrem CRM-System ab. Anschließend aggregiert es diese Daten, berechnet wichtige KPIs wie den Gesamt-ROAS (Return on Ad Spend) und trägt die zusammengefassten Ergebnisse in ein zentrales Dashboard in Google Sheets oder einem BI-Tool ein.
Make vs. Zapier: Wo liegen die Unterschiede?
Obwohl beide Tools das Ziel haben, Apps zu verbinden, unterscheiden sie sich in ihrer Philosophie und ihren Kernfunktionen.
- Visuelle Oberfläche vs. Lineare Liste: Dies ist der offensichtlichste Unterschied. Die visuelle Leinwand von Make bietet eine bessere Übersicht bei komplexen Workflows mit Verzweigungen, während Zapier’s listenbasierter Ansatz für sehr einfache "Wenn-Dann"-Automatisierungen schneller sein kann.
- Flexibilität und Datenverarbeitung: Make bietet nativ mehr Kontrolle über den Datenfluss. Die Möglichkeit, Daten zu iterieren, zu aggregieren und mit eingebauten Formeln zu transformieren, ist tief im System verankert und mächtiger als bei Zapier, wo oft zusätzliche Schritte ("Formatter") benötigt werden.
- Preis-Leistungs-Verhältnis: Das Preismodell von Make basiert auf der Anzahl der "Operationen" (also der Ausführung eines Moduls). Dies kann bei komplexen, aber selten ausgeführten Szenarien kosteneffizienter sein. Zapier rechnet nach "Tasks" (erfolgreich ausgeführte Zaps) ab. Je nach Anwendungsfall kann das eine oder andere Modell vorteilhafter sein.
- Fehlerbehandlung: Make bietet fortschrittlichere, integrierte Optionen zur Fehlerbehandlung. Sie können benutzerdefinierte Pfade definieren, die ausgeführt werden, wenn ein Modul einen Fehler meldet, um beispielsweise eine Benachrichtigung zu senden oder den Prozess zu wiederholen.
Die Zukunft gehört der maßgeschneiderten Automatisierung
Make ist mehr als nur ein Konkurrent von Zapier; es ist ein Werkzeug für all jene, die über einfache Integrationen hinausdenken und ihre digitalen Prozesse wie ein Ingenieur gestalten wollen. Es befähigt Marketing- und Operations-Teams, ihre Workflows exakt an die eigenen Bedürfnisse anzupassen und so ein Maß an Effizienz und Intelligenz zu erreichen, das mit Standardlösungen nicht möglich ist.
Für strategische Entscheider liegt der Wert von Make in seiner Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen und Skalierbarkeit zu ermöglichen. Indem Sie nicht nur Aufgaben automatisieren, sondern ganze Systeme visuell entwerfen und steuern, transformieren Sie die operative Grundlage Ihres Unternehmens. Wer die Flexibilität von Make nutzt, investiert in eine agilere, datengesteuerte und letztlich profitablere Zukunft.

