Growth Marketing

André Puschinsky29.09.2025

Als vorausschauender Entscheider wissen Sie: Jeder Besucher Ihrer Website ist eine Chance. Doch zwischen dem ersten Klick und dem finalen Kauf lauern zahlreiche Hürden, an denen wertvolle Interessenten verloren gehen. Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob Sie Kunden gewinnen, sondern wo und warum Sie potenzielle Kunden auf dem Weg verlieren. Um diese kritischen Abbruchpunkte zu identifizieren und Ihre Conversion-Pfade systematisch zu optimieren, gibt es ein fundamentales Werkzeug der Web-Analyse: den Funnel. Die Analyse dieser Trichter-Darstellungen ist der Schlüssel, um die Effektivität Ihrer Nutzerführung zu messen, Schwachstellen aufzudecken und letztlich mehr Besucher in zahlende Kunden zu verwandeln.

1. Was ist ein Funnel?

Im Kontext der Web-Analyse ist ein Funnel (deutsch: Trichter) die visuelle Darstellung eines vordefinierten, mehrstufigen Prozesses, den ein Nutzer auf einer Website oder in einer App durchlaufen soll, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Jeder Schritt im Funnel repräsentiert eine spezifische Aktion oder einen Seitenbesuch. Der Funnel visualisiert, wie viele Nutzer von einem Schritt zum nächsten gelangen und – was noch wichtiger ist – wie viele auf jeder Stufe „abspringen“ (Drop-off).

Stellen Sie sich einen realen Trichter vor: Oben geben Sie eine große Menge an Flüssigkeit hinein, doch unten kommt nur ein Teil davon an. Ein Analyse-Funnel funktioniert nach demselben Prinzip. Oben treten viele Nutzer in den Prozess ein, doch mit jedem Schritt verengt sich der Trichter, da ein Teil der Nutzer den Pfad verlässt.

Der strategische Zweck eines Funnels ist die Identifikation und Quantifizierung von Schwachstellen in kritischen Nutzerpfaden. Er macht die Problemzonen Ihrer Website messbar und liefert die Datengrundlage, um gezielte Optimierungsmaßnahmen (Conversion Rate Optimization, CRO) einzuleiten. Statt im Nebel zu stochern, können Sie genau dort ansetzen, wo Sie das größte Geschäftspotenzial ungenutzt lassen.

2. Die wichtigsten Metriken und Funnel-Typen

Die Stärke von Funnels liegt in ihrer Fähigkeit, komplexe Prozesse in leicht verständliche Kennzahlen zu zerlegen. Die Einrichtung erfolgt in der Regel direkt in Analyse-Tools wie Google Analytics 4, Adobe Analytics oder spezialisierten Produktanalyse-Tools.

Schlüsselmetriken eines Funnels:

  1. Conversion Rate (Gesamt): Der Prozentsatz der Nutzer, die den Funnel am ersten Schritt begonnen und am letzten Schritt erfolgreich abgeschlossen haben. Dies ist die wichtigste Top-Level-Kennzahl.
  2. Drop-off Rate (Abbruchrate) pro Schritt: Der Prozentsatz der Nutzer, die einen bestimmten Schritt erreicht, aber den unmittelbar folgenden Schritt nicht mehr ausgeführt haben. Dies ist die entscheidende Metrik zur Identifikation der größten Schwachstellen.
  3. Completion Rate (Fortsetzungsrate) pro Schritt: Das Gegenteil der Drop-off Rate. Sie zeigt, wie viel Prozent der Nutzer von einem Schritt zum nächsten weitergegangen sind.
  4. Zeit zwischen den Schritten: Einige fortgeschrittene Tools messen, wie lange Nutzer im Durchschnitt für den Übergang von einem Schritt zum nächsten benötigen. Eine ungewöhnlich lange Zeit kann auf Verwirrung oder technische Probleme hindeuten.

Typische Beispiele für Funnels:

E-Commerce Checkout-Funnel: Dies ist der klassischste Anwendungsfall.

  • Schritt 1: Produkt in den Warenkorb gelegt
  • Schritt 2: Zur Kasse gegangen (Warenkorb-Seite besucht)
  • Schritt 3: Adressdaten eingegeben
  • Schritt 4: Bezahlmethode gewählt
  • Schritt 5: Kauf abgeschlossen (Danke-Seite besucht)
  • Analyse: Ein hoher Drop-off zwischen Schritt 3 und 4 könnte auf komplizierte Formularfelder oder fehlende, vertrauenswürdige Bezahloptionen hindeuten.

Lead-Generierungs-Funnel (B2B):

  • Schritt 1: Landingpage besucht
  • Schritt 2: Klick auf den „Kontakt aufnehmen“-Button
  • Schritt 3: Kontaktformular ausgefüllt und abgeschickt
  • Schritt 4: Bestätigungsseite erreicht
  • Analyse: Eine hohe Abbruchrate bei Schritt 3 deutet oft darauf hin, dass das Formular zu lang ist, zu viele persönliche Daten abfragt oder nicht vertrauenswürdig wirkt.

Onboarding-Funnel (SaaS):

  • Schritt 1: Registrierung abgeschlossen
  • Schritt 2: Erstes Projekt erstellt
  • Schritt 3: Teammitglied eingeladen
  • Schritt 4: Dashboard-Tour abgeschlossen
  • Analyse: Wenn viele Nutzer nach Schritt 1 abspringen, ist der erste Einstieg in das Produkt möglicherweise zu kompliziert oder nicht selbsterklärend.

3. Warum Funnels für UX und CRO entscheidend sind

Die systematische Analyse von Funnels ist kein optionales Extra, sondern ein Kernbestandteil jeder erfolgreichen digitalen Strategie. Sie ist ein direkter Hebel zur Steigerung des Umsatzes und zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit.

  • Fokussierung der Optimierungs-Ressourcen: Funnels zeigen Ihnen mit unbestechlicher Klarheit, wo das größte Problem liegt. Anstatt willkürlich an verschiedenen Stellen der Website zu optimieren, können Sie Ihre begrenzten Ressourcen genau auf den Schritt konzentrieren, dessen Verbesserung den größten Einfluss auf die Gesamt-Conversion-Rate hat (das Prinzip des „schwächsten Glieds der Kette“).
  • Grundlage für datengestützte Hypothesen: Eine hohe Abbruchrate ist der Ausgangspunkt für eine gezielte Ursachenforschung. Der Funnel liefert das „Was“ (z. B. „70 % brechen im Adressformular ab“). Um das „Warum“ zu klären, setzen Sie ergänzende Methoden wie Session Replays oder Heatmaps ein. Daraus leiten Sie eine testbare Hypothese für einen A/B-Test ab (z. B. „Wir glauben, dass die Reduzierung des Formulars von 10 auf 5 Felder die Drop-off Rate um 20 % senkt“).
  • Messung des ROI von UX-Verbesserungen: Sie haben das Design des Warenkorbs überarbeitet? Der Funnel liefert Ihnen den direkten Beweis, ob sich diese Investition gelohnt hat. Sie können die Drop-off Rate vor und nach der Änderung exakt vergleichen und so den Erfolg Ihrer Maßnahmen quantifizieren.
  • Aufdeckung technischer Fehler: Ein plötzlicher Anstieg der Abbruchrate an einem bestimmten Punkt, insbesondere nach einem Website-Update, ist oft ein starkes Indiz für einen technischen Fehler. Vielleicht funktioniert ein Button nicht mehr oder eine bestimmte Bezahlmethode ist ausgefallen. Der Funnel agiert hier als Frühwarnsystem.

4. Best Practices: So erstellen und analysieren Sie Funnels

Die Qualität Ihrer Erkenntnisse hängt direkt von der Qualität Ihrer Funnel-Konfiguration und -Analyse ab.

1. Halten Sie den Funnel fokussiert und logisch

Ein Funnel sollte immer einen einzigen, linearen Prozess abbilden. Vermeiden Sie es, zu viele optionale oder alternative Pfade in einen einzigen Funnel zu packen. Erstellen Sie bei Bedarf lieber mehrere, spezifische Funnels für unterschiedliche Nutzerpfade.

2. Segmentieren Sie Ihre Funnel-Analyse

Die aggregierte Sicht auf alle Nutzer ist oft irreführend. Der wahre Wert entsteht durch die Segmentierung. Analysieren Sie den Funnel getrennt nach:

  • Gerätetyp (Desktop vs. Mobile): Oft zeigen sich auf mobilen Geräten völlig andere Abbruchmuster als auf dem Desktop.
  • Traffic-Quelle: Konvertieren Nutzer von Google Ads anders als solche aus dem E-Mail-Newsletter?
  • Nutzer-Typ (Neu vs. Wiederkehrend): Kennen wiederkehrende Nutzer den Prozess besser und haben daher niedrigere Abbruchraten?
  • Land/Region: Gibt es regionale Unterschiede, z. B. durch bevorzugte Bezahlmethoden?

3. Kombinieren Sie den Funnel mit qualitativen Methoden

Der Funnel sagt Ihnen, wo das Problem liegt. Um zu verstehen, warum es besteht, benötigen Sie qualitative Einblicke. Sobald Sie einen hohen Drop-off identifiziert haben, analysieren Sie gezielt:

  • Session Replays: Schauen Sie sich Video-Aufzeichnungen von Nutzern an, die genau an diesem Schritt abgebrochen haben.
  • Heatmaps: Untersuchen Sie das Klick- und Scroll-Verhalten auf der Problemseite.
  • On-Site-Umfragen: Platzieren Sie eine kleine Umfrage auf der Seite und fragen Sie Nutzer, die die Seite verlassen wollen: „Gab es einen Grund, der Sie vom Abschluss abgehalten hat?“

4. Definieren Sie klare und eindeutige Schritte

Die Schritte Ihres Funnels sollten auf eindeutigen Aktionen basieren (z. B. Klick auf einen Button) oder auf dem Besuch einer spezifischen URL (z. B. danke-seite.html). Vage Definitionen führen zu unsauberen Daten und falschen Schlussfolgerungen.

5. Häufige Herausforderungen und strategische Lösungen

Bei der Arbeit mit Funnels gibt es typische Fallstricke, die zu Fehlinterpretationen führen können.

„Unser Funnel hat eine sehr hohe Abbruchrate. Ist unsere Website schlecht?“

Problem: Eine hohe Drop-off Rate wird pauschal als Zeichen für eine schlechte Performance gewertet.

Lösung: Betrachten Sie den Kontext. Ein Funnel für eine hochpreisige, beratungsintensive Dienstleistung wird naturgemäß eine viel niedrigere Conversion-Rate haben als ein Funnel für die Anmeldung zu einem kostenlosen Newsletter. Wichtig ist nicht der absolute Wert, sondern die Veränderung über die Zeit und der Vergleich zwischen verschiedenen Nutzersegmenten. Konzentrieren Sie sich auf die Identifikation des größten relativen Drop-offs innerhalb Ihres Funnels.

„Der Funnel zeigt einen 100%igen Drop-off bei einem Schritt.“

Problem: Ein Schritt im Funnel zeigt an, dass alle Nutzer abspringen.

Lösung: Dies ist fast immer ein Zeichen für einen technischen Messfehler. Überprüfen Sie die Konfiguration des Funnels. Wird das Event für diesen Schritt korrekt ausgelöst und an Ihr Analyse-Tool gesendet? Ist die URL für den Funnel-Schritt korrekt definiert? Ein falsch konfigurierter Funnel liefert wertlose Daten.

„Wir haben den Funnel optimiert, aber die Gesamt-Conversion-Rate steigt nicht.“

Problem: Die Verbesserung eines einzelnen Schritts führt nicht automatisch zu einem besseren Gesamtergebnis.

Lösung: Möglicherweise haben Sie das Problem nur auf den nächsten Schritt verschoben (Problemverlagerung). Oder die Optimierung hat an einer anderen Stelle zu einer Verschlechterung geführt. Betrachten Sie immer die Auswirkungen auf den gesamten Nutzerpfad. Es ist auch möglich, dass die Qualität des Traffics, der in den Funnel eintritt, abgenommen hat. Eine ganzheitliche Sicht auf Marketing und UX ist hier entscheidend.

ChristinaSales Manager+4920225855309
PaulSales Manager+4920225855318
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