Webdesign

André Puschinsky18.09.2025

In der digitalen Welt steht der Begriff „Relaunch“ für die umfassende Überarbeitung und den Neustart eines Projekts, meistens einer Unternehmenswebsite. Dieser Fachbegriff beschreibt den Prozess, bei dem eine Webseite in technischer, gestalterischer und inhaltlicher Hinsicht grundlegend erneuert wird. Das Ziel ist es, die Online-Präsenz an neue strategische Ziele, veränderte Marktbedingungen oder aktuelle technologische Standards anzupassen.

Die zwei Hauptarten eines Relaunchs

Im Webdesign unterscheidet man grundsätzlich zwischen zwei Vorgehensweisen, die jeweils eigene Vor- und Nachteile mit sich bringen:

Der „Hard Relaunch“: Die radikale Neugestaltung

Bei einem Hard Relaunch wird die Website komplett überarbeitet und zu einem festgelegten Zeitpunkt live geschaltet. Dies gleicht einer „Alles-auf-neu“-Strategie, bei der sich für den Besucher auf einen Schlag das Design, die Funktionen und oft auch die Seitenstruktur ändern.

Wann ist ein Hard Relaunch sinnvoll?

Ein solcher Schritt ist vor allem dann zu empfehlen, wenn die bisherige Website gravierende Mängel aufweist, die eine schrittweise Anpassung unmöglich oder unwirtschaftlich machen. Beispiele hierfür sind:

  • Veraltete Technologie: Die Website basiert auf einem System, das nicht mehr aktualisiert wird und gravierende Sicherheitslücken aufweist (z. B. ein veraltetes Content-Management-System).
  • Fundamentale Neuausrichtung der Marke: Ein Unternehmen durchläuft ein komplettes Rebranding. Das neue Corporate Design, die Markenbotschaft und die Zielgruppenansprache sind so verschieden, dass die alte Website diese nicht mehr repräsentieren kann.
  • Schlechte Benutzererfahrung (User Experience): Die Navigation ist unlogisch, Ladezeiten sind extrem langsam und die Seite ist auf Mobilgeräten praktisch unbenutzbar.

Ein Hard Relaunch erzeugt maximale Aufmerksamkeit. Er wird oft von Marketingkampagnen begleitet und kann kurzfristig den Website-Traffic durch Neugier erheblich steigern. Dieser psychologische Effekt signalisiert Innovationskraft und kann das Markenimage stärken.

Die Risiken: Bestehende Nutzer, die an die alte Struktur und Bedienung gewöhnt sind, können durch die plötzlichen und umfassenden Änderungen irritiert werden. Wenn die neue Benutzerführung nicht intuitiv ist, kann dies zu Frustration und im schlimmsten Fall zum Verlust treuer Kunden führen.

Der „Soft Relaunch“: Die schrittweise Optimierung

Im Gegensatz dazu werden bei einem Soft Relaunch Änderungen schrittweise und oft unbemerkt vom Großteil der Nutzer implementiert. Anstatt die gesamte Seite auf einmal zu erneuern, werden einzelne Bereiche oder Funktionen nach und nach optimiert.

Wann ist ein Soft Relaunch die bessere Wahl?

Diese Methode eignet sich besonders für bereits gut funktionierende und etablierte Websites, bei denen das Risiko eines radikalen Umbruchs vermieden werden soll. Typische Anwendungsfälle sind:

  • A/B-Testing neuer Funktionen: Ein Online-Shop möchte einen neuen Checkout-Prozess einführen. Mit einem Soft Relaunch kann diese neue Funktion zunächst nur einem kleinen Teil der Nutzer angezeigt werden, um ihre Akzeptanz und Funktionalität zu testen.
  • Kontinuierliche Verbesserung: Die grundlegende Struktur der Website ist solide, aber einzelne Elemente wie die Produktdetailseite oder das Kontaktformular sollen modernisiert und benutzerfreundlicher gestaltet werden.
  • Minimierung von Risiken: Für Plattformen mit hohem Traffic und einer loyalen Nutzerbasis ist es entscheidend, die gewohnte User Experience nicht zu stören. Schrittweise Anpassungen stellen sicher, dass die Nutzer nicht überfordert werden.

Ein Soft Relaunch ermöglicht es, auf Basis von Nutzerfeedback agil zu reagieren und Anpassungen vorzunehmen, bevor sie für alle Besucher ausgerollt werden. Der Nachteil ist, dass der große „Wow-Effekt“ eines kompletten Neustarts ausbleibt.

Gründe für einen Relaunch: Technische und gestalterische Aspekte

Ein Relaunch sollte nie Selbstzweck sein, sondern immer strategische Ziele verfolgen. Die Gründe lassen sich in drei Hauptbereiche gliedern.

1. Technische Notwendigkeit

Ein technischer Relaunch fokussiert sich auf die Infrastruktur der Website. Oft ist dies der dringendste Grund für eine Erneuerung.

  • Pagespeed und Core Web Vitals: Langsame Ladezeiten sind einer der Hauptgründe für hohe Absprungraten. Google bewertet die Nutzererfahrung anhand der Core Web Vitals (Ladezeit, Interaktivität, visuelle Stabilität). Eine technisch veraltete Seite kann diese Werte oft nicht mehr erfüllen, was sich negativ auf das SEO-Ranking auswirkt. Maßnahmen wie die Optimierung von Bildern, die Reduzierung von Code und modernes Caching sind hier essenziell
  • Mobile Optimierung (Responsive Design): Ein Großteil der Nutzer greift über mobile Endgeräte auf Websites zu. Eine Seite, die auf Smartphones oder Tablets nicht korrekt dargestellt wird, verliert nicht nur Besucher, sondern wird auch von Suchmaschinen abgestraft.
  • Sicherheit: Veraltete Software oder Plugins stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und machen eine Website anfällig für Hackerangriffe.

2. Optimierung der User Experience (UX) und des Designs

Hier steht der Nutzer im Mittelpunkt. Das Ziel ist es, die Interaktion mit der Website so einfach und angenehm wie möglich zu gestalten, um die Konversionsraten zu steigern.

  • Benutzerführung und Navigation: Finden Nutzer schnell, was sie suchen? Eine unklare Menüstruktur oder versteckte Call-to-Action-Buttons führen zu Frustration. Ein Relaunch kann die Informationsarchitektur grundlegend verbessern.
  • Visuelle Modernisierung: Design-Trends ändern sich. Eine Website, deren Gestaltung an die frühen 2000er-Jahre erinnert, wirkt nicht mehr vertrauenswürdig oder professionell. Ein modernes Design stärkt das Markenimage.
  • Schlechtes Beispiel: Eine Handwerker-Website mit winziger Schrift, unscharfen Bildern und einem Kontaktformular, das auf dem Handy nur seitlich scrollbar ist. Nutzer werden hier kaum eine Anfrage stellen.
  • Gutes Beispiel: Die gleiche Website nach einem Relaunch mit großen, klaren Schriften, hochwertigen Projektbildern und einem Formular, das sich perfekt an den mobilen Bildschirm anpasst und nur die nötigsten Informationen abfragt.

3. Strategische Neuausrichtung

Manchmal ändern sich die Geschäftsziele, und die Website muss diese widerspiegeln.

  • Neue Zielgruppen: Ein Unternehmen, das bisher nur Geschäftskunden bediente, möchte nun auch Privatkunden ansprechen. Die Website muss in Tonalität, Inhalt und Angebot entsprechend angepasst werden.
  • Erweiterung des Angebots: Neue Produkte oder Dienstleistungen werden eingeführt, die auf der alten Website keinen prominenten Platz finden.
  • Content-Strategie: Das Unternehmen möchte sich als Experte positionieren und plant, regelmäßig Blogartikel oder Studien zu veröffentlichen. Die Website benötigt dafür eine flexible und SEO-freundliche Struktur.

Wichtige Überlegungen vor dem Start

Ein Relaunch ist ein komplexes Projekt. Werden zentrale Aspekte vernachlässigt, kann er mehr schaden als nutzen.

Bewahren Sie, was funktioniert: Analysieren Sie vor dem Relaunch, welche Seiten und Funktionen bei Ihren Nutzern beliebt sind und gut konvertieren. Es wäre ein Fehler, eine gut funktionierende Funktion nur um der Neuheit willen zu entfernen. Die Corporate Identity und das Corporate Design sind das Wiedererkennungsmerkmal Ihrer Marke und sollten als Leitplanken für die Neugestaltung dienen.

SEO nicht vergessen: Eine der größten Gefahren eines Relaunchs ist der Verlust von hart erarbeitetem Suchmaschinen-Ranking. Stellen Sie sicher, dass Weiterleitungen (301-Redirects) von alten auf neue URLs eingerichtet werden, damit weder Nutzer noch Google auf Fehlerseiten landen.

Die Zusammenarbeit mit einer spezialisierten Agentur kann helfen, eine maßgeschneiderte Strategie zu entwickeln und typische Fallstricke zu vermeiden. Ein professionell geplanter und umgesetzter Relaunch ist eine Investition in die digitale Zukunft Ihres Unternehmens und kann maßgeblich zu mehr Sichtbarkeit, besseren Nutzerzahlen und letztlich zum Geschäftserfolg beitragen.

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