
Die Erstellung überzeugender Anzeigentexte und passender Bilder ist eine der zeitintensivsten Aufgaben im digitalen Marketing. Für Entscheider stellt sich oft die Frage, wie man kontinuierlich frische, relevante und performante Werbemittel produziert, ohne die internen Ressourcen zu überlasten. Die Antwort liefert ein Megatrend, der die Werbelandschaft fundamental verändert: generative KI. Mit automatisch erstellten Assets (Automatically Created Assets, ACA) integriert Google diese Technologie direkt in den Kampagnen-Workflow und ermöglicht es der KI, proaktiv Anzeigentexte und sogar Bilder vorzuschlagen. Das Verständnis dieses Features ist der Schlüssel, um die Effizienz in der Anzeigenerstellung zu steigern und einen strategischen Vorteil im Wettbewerb zu sichern.
1. Was sind automatisch erstellte Assets?
Automatisch erstellte Assets sind von künstlicher Intelligenz (KI) generierte Anzeigenelemente – wie Anzeigentitel, Beschreibungen und Bilder –, die Google proaktiv für den Einsatz in Werbekampagnen vorschlägt. Diese Vorschläge basieren auf einer Analyse verschiedener Datenquellen, darunter der Inhalt Ihrer Landingpages, bestehende Anzeigen im Konto, die Anzeigenhistorie und allgemeine Suchtrends. Anstatt nur die vom Werbetreibenden bereitgestellten Assets zu kombinieren, wird die KI hier selbst zum kreativen Autor und Designer.
Der strategische Zweck von automatisch erstellten Assets ist die Vereinfachung und Beschleunigung des Creative-Prozesses sowie die kontinuierliche Leistungssteigerung. Das Feature soll Marketern helfen, den Aufwand für die Text- und Bild-Erstellung zu reduzieren, schnell auf neue Trends zu reagieren und die Vielfalt der getesteten Werbebotschaften mühelos zu erhöhen. Es ist ein klares Signal für den Trend zu generativer KI, die als kollaborativer Partner im Marketing agiert.
2. Wie funktioniert die automatische Erstellung von Assets?
Die Technologie hinter den automatisch erstellten Assets basiert auf fortschrittlichen Sprach- und Bildmodellen (Large Language Models & Diffusion Models), die Google mit einer Fülle von Kontextinformationen füttert.
Die Datenbasis der KI
Die KI analysiert eine Vielzahl von Quellen, um relevante und kontextbezogene Vorschläge zu machen:
- Ihre Landingpage: Dies ist die wichtigste Quelle. Die KI scannt die Seite, um das Kernangebot, USPs, Keywords und den allgemeinen Tonfall zu verstehen.
- Bestehende Assets im Konto: Erfolgreiche Titel und Beschreibungen aus anderen Kampagnen oder Anzeigengruppen dienen als Vorlage und Inspiration.
- Historische Performance-Daten: Die KI lernt, welche Arten von Formulierungen und Botschaften in der Vergangenheit bei Ihrer Zielgruppe gut funktioniert haben.
- Suchanfragen-Kontext: Das System versteht die Intention hinter den Suchanfragen, die Ihre Anzeigen auslösen, und kann darauf zugeschnittene Texte generieren.
Der Generierungsprozess
Basierend auf dieser Analyse schlägt Google die neuen Assets direkt im Interface von Google Ads vor. Dies geschieht auf verschiedenen Ebenen:
- Bei der Kampagnenerstellung: Beim Anlegen einer neuen Kampagne kann die KI basierend auf der angegebenen Ziel-URL sofort erste Vorschläge für Titel und Beschreibungen machen.
- In bestehenden Kampagnen: Das System überwacht laufende Kampagnen und schlägt neue Asset-Varianten vor, um die Anzeigenstärke zu verbessern oder schlecht performende Elemente zu ersetzen.
- Generative Bilderweiterungen: Neben Texten kann die KI basierend auf den Inhalten der Landingpage auch komplett neue, einzigartige Bilder generieren, die als Bilderweiterungen genutzt werden können.
Der Werbetreibende behält die Kontrolle. Die Vorschläge der KI müssen explizit geprüft und genehmigt werden, bevor sie in den Kampagnen aktiv werden.
3. Warum sind automatisch erstellte Assets strategisch wichtig?
Die Integration generativer KI in den Werbealltag ist mehr als nur eine technische Spielerei. Sie hat tiefgreifende strategische Auswirkungen für Marketing-Entscheider.
- Radikale Effizienzsteigerung: Der größte Vorteil ist die massive Zeitersparnis. Das Brainstorming und Texten von Dutzenden Asset-Varianten wird von Stunden auf Minuten reduziert. Dies setzt wertvolle Ressourcen frei, die für übergeordnete strategische Aufgaben genutzt werden können.
- Überwindung kreativer Blockaden: Jeder Marketer kennt das Problem des leeren Blattes. Die KI-Vorschläge dienen als exzellenter Ausgangspunkt und Inspirationsquelle, um schnell eine Vielzahl von kreativen Ansätzen zu entwickeln.
- Erhöhung der Testgeschwindigkeit: Erfolg in Google Ads basiert auf kontinuierlichem Testen. Automatisch erstellte Assets ermöglichen es, permanent neue Botschaften und Winkel zu testen, ohne dass ein menschliches Team diese manuell erstellen muss. Dies beschleunigt den Lernzyklus und die Performance-Optimierung erheblich.
- Bessere Anpassung an die Suchintention: Da die KI die Assets oft im Kontext spezifischer Suchanfragen generiert, sind die Vorschläge häufig hochrelevant für die jeweilige Nutzerintention. Dies kann zu höheren Klickraten und einem besseren Qualitätsfaktor führen.
4. Best Practices: So setzen Sie die KI-Assets gewinnbringend ein
Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die KI nicht als Ersatz, sondern als leistungsstarken Assistenten zu begreifen und ihn intelligent zu führen.
1. Betrachten Sie die KI als Junior-Texter
Behandeln Sie die KI-Vorschläge wie den ersten Entwurf eines talentierten, aber unerfahrenen Texters. Die Ideen sind oft gut, benötigen aber fast immer eine menschliche Überarbeitung.
- Prüfen und verfeinern: Überprüfen Sie jeden Vorschlag auf Markenkonsistenz, Tonalität und sachliche Richtigkeit. Passen Sie die Texte an Ihre spezifische Markenstimme an.
- Seien Sie der strategische Kopf: Die KI ist gut in der Formulierung, aber Sie definieren die strategische Botschaft. Nutzen Sie die Vorschläge als Bausteine, um Ihre Kernbotschaften zu transportieren.
2. Sorgen Sie für eine exzellente Datenbasis
Die Qualität der KI-Vorschläge hängt direkt von der Qualität Ihrer Eingaben ab. „Garbage in, garbage out“ gilt auch hier.
- Optimieren Sie Ihre Landingpages: Eine klar strukturierte Landingpage mit prägnanten Überschriften, klaren USPs und gutem Content ist die beste Futterquelle für die KI.
- Pflegen Sie Ihre bestehenden Assets: Geben Sie der KI von Anfang an starke, von Menschen geschriebene Assets als Lernbeispiele.
3. Nutzen Sie die Vielfalt, aber behalten Sie den Fokus
Die KI neigt dazu, eine große Menge an ähnlichen Varianten zu erstellen. Ihre Aufgabe ist es, die strategische Vielfalt sicherzustellen.
- Sorgen Sie für unterschiedliche Blickwinkel: Stellen Sie sicher, dass Ihre Asset-Sammlung verschiedene Aspekte abdeckt: Logik (Features, Preis), Emotion (Problemlösung, Nutzen) und Vertrauen (Garantien, Social Proof).
- Kombinieren Sie KI- und menschliche Assets: Die besten Ergebnisse entstehen oft aus der Kombination. Nutzen Sie KI-generierte Titel für die Breite und von Menschen geschriebene, strategisch wichtige Titel für die Tiefe.
4. Behalten Sie die Markensicherheit im Blick
Überlassen Sie der KI niemals die alleinige Kontrolle über Ihre Markenbotschaft.
- Keine vollautomatische Freigabe: Aktivieren Sie niemals eine Option, die es Google erlauben würde, Assets ohne Ihre explizite Freigabe zu schalten.
- Überprüfen Sie Bild-Assets besonders kritisch: KI-generierte Bilder können manchmal unpassende oder merkwürdige Elemente enthalten. Eine sorgfältige Prüfung ist hier unerlässlich.
5. Häufige Herausforderungen und strategische Lösungen
Die Zusammenarbeit mit einer kreativen KI birgt neue Herausforderungen, die ein strategisches Vorgehen erfordern.
Die Vorschläge sind generisch und unkreativ
Problem: Die von der KI generierten Texte klingen langweilig, austauschbar und ohne echte Markenfärbung.
Lösung: Dies deutet meist auf eine schwache Datenbasis hin.
- Verbessern Sie die Landingpage: Formulieren Sie die USPs und das Wertversprechen auf Ihrer Website schärfer und einzigartiger. Die KI wird diese besseren Formulierungen aufgreifen.
- Geben Sie bessere Beispiele: Schreiben Sie selbst 3-5 sehr starke, markenspezifische Titel und Beschreibungen. Die KI wird versuchen, neue Varianten in diesem Stil zu generieren.
Verlust der Markenkonsistenz und Tonalität
Problem: Die KI-Texte passen nicht zur etablierten Markenstimme – sie sind zu formell, zu salopp oder verwenden falsche Begriffe.
Lösung: Dies unterstreicht die Notwendigkeit menschlicher Aufsicht.
- Definieren Sie einen klaren Freigabeprozess: Legen Sie fest, dass alle KI-Vorschläge von einer Person geprüft werden müssen, die tief mit der Marke vertraut ist.
- Nutzen Sie die „Anpinnen“-Funktion: In Responsive Search Ads können Sie strategisch wichtige Assets (wie den Markennamen oder ein Kernversprechen) an bestimmten Positionen fixieren. So stellen Sie sicher, dass diese immer Teil der Anzeige sind, während die KI die restlichen Positionen variabel füllt.
Rechtliche und ethische Bedenken bei KI-Bildern
Problem: Es ist unklar, wem die Rechte an KI-generierten Bildern gehören und ob diese versehentlich bestehende Urheberrechte verletzen könnten.
Lösung: Hier ist Vorsicht geboten.
- Verlassen Sie sich auf Googles Zusicherungen: Google gibt an, dass die generierten Bilder für die kommerzielle Nutzung innerhalb der Plattform sicher sind.
- Setzen Sie auf menschliche Überprüfung: Nutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand. Wenn ein KI-generiertes Bild einem bekannten Kunstwerk oder einem markenrechtlich geschützten Stil sehr ähnlich sieht, verwenden Sie es vorsichtshalber nicht.
- Fokus auf abstrakte und generische Motive: Nutzen Sie die KI vor allem für Hintergründe, Texturen oder konzeptionelle Darstellungen, bei denen das Risiko einer Urheberrechtsverletzung minimal ist.

