Growth Marketing

André Puschinsky01.10.2025

Als wachstumsorientierter Entscheider stehen Sie täglich vor der zentralen Frage: Welche Marketing-Maßnahme bringt den größten Ertrag? Die traditionelle Antwort, den Erfolg allein dem letzten Klick vor dem Kauf zuzuschreiben, ist in der komplexen digitalen Welt längst überholt. Kunden interagieren mit Ihrer Marke über zahlreiche Kanäle, bevor sie eine Entscheidung treffen. Doch wie bewerten Sie den Beitrag einer Social-Media-Anzeige, eines Blogartikels und eines Newsletters fair? Die Lösung für diese strategische Herausforderung liegt in der Multi-Touch Attribution. Dieses fortschrittliche Modell betrachtet die gesamte Customer Journey und ermöglicht es Ihnen, Ihr Marketingbudget intelligent zu verteilen, den ROI präzise zu messen und Ihren Wettbewerbsvorteil nachhaltig auszubauen.

1. Was ist Multi-Touch Attribution?

Multi-Touch Attribution (MTA) ist ein Ansatz zur Messung der Marketing-Effektivität, der jedem Touchpoint (Berührungspunkt) entlang der Customer Journey einen anteiligen Wert für die finale Conversion zuschreibt. Im Gegensatz zu Single-Touch-Modellen, die 100 % des Erfolgs einem einzigen Kontaktpunkt (meist dem ersten oder letzten) zuordnen, erkennt MTA an, dass mehrere Interaktionen zum Kaufentschluss beitragen.

Stellen Sie sich die Customer Journey wie ein Fußballspiel vor. Ein Last-Click-Modell würde nur den Torschützen feiern. Multi-Touch Attribution hingegen würdigt auch die Verteidiger, die den Ball erobert, die Mittelfeldspieler, die den Angriff aufgebaut, und den Stürmer, der die Vorlage gegeben hat. Jeder Spieler hat einen Anteil am Erfolg.

Der strategische Zweck der Multi-Touch Attribution ist die Schaffung einer transparenten und fairen Grundlage für die Budgetallokation. Sie hilft Ihnen zu verstehen, welche Kanäle als „Opener“ (Aufmerksamkeit schaffen), welche als „Influencer“ (Überzeugung leisten) und welche als „Closer“ (Kauf auslösen) fungieren. Mit diesem Wissen können Sie Investitionen optimieren und die Effizienz Ihres gesamten Marketing-Mixes steigern.

2. Die wichtigsten Multi-Touch-Modelle

Es gibt nicht das eine Multi-Touch-Modell. Die Wahl des richtigen Modells hängt von Ihren Geschäftszielen, Ihrer Branche und der typischen Länge Ihrer Customer Journeys ab. Die gängigsten Modelle sind:

1. Lineares Modell

Bei diesem Modell wird der Wert der Conversion gleichmäßig auf alle Touchpoints in der Kette verteilt. Hat ein Kunde vier Kontaktpunkte durchlaufen, erhält jeder Touchpoint 25 % des Conversion-Wertes.

  • Wann es sinnvoll ist: Gut für den Einstieg und wenn Sie den Wert jedes Kontakts als gleich wichtig erachten. Ideal für Unternehmen, die den Fokus auf die Aufrechterhaltung der Kundenbeziehung über den gesamten Zyklus legen.

2. Zeitverlauf-Modell (Time Decay)

Dieses Modell gewichtet die Touchpoints, die zeitlich näher an der Conversion liegen, stärker. Der erste Kontakt erhält den geringsten, der letzte Kontakt den höchsten Wert.

  • Wann es sinnvoll ist: Besonders geeignet für längere Verkaufszyklen (z. B. im B2B-Bereich) oder bei Promotionen mit einem klaren Enddatum. Es betont die Kanäle, die den finalen Kaufimpuls geben.

3. Positionsbasiertes Modell (U-Modell)

Auch als „Badewannen-Modell“ bekannt. Hier erhalten der erste und der letzte Touchpoint den größten Anteil am Erfolg (z. B. jeweils 40 %), während die restlichen 20 % auf alle mittleren Touchpoints verteilt werden.

  • Wann es sinnvoll ist: Dies ist eines der beliebtesten Modelle, da es sowohl den Kanal, der den Kunden ursprünglich aufmerksam gemacht hat, als auch den Kanal, der den Kauf abgeschlossen hat, besonders würdigt.

4. Datengetriebenes Modell (Data-Driven Attribution)

Dies ist die fortschrittlichste Form. Anstatt festen Regeln zu folgen, nutzt dieses Modell maschinelles Lernen und statistische Algorithmen, um den tatsächlichen Beitrag jedes Touchpoints individuell zu berechnen. Es analysiert die Pfade konvertierender und nicht-konvertierender Nutzer, um Muster zu erkennen.

  • Wann es sinnvoll ist: Wenn Sie über genügend Datenvolumen verfügen (z. B. in Google Analytics 4), ist dies das präziseste Modell. Es liefert die objektivsten Einblicke und passt sich dynamisch an Veränderungen im Nutzerverhalten an.

Beispiel-Szenario: Ein Kunde kauft ein Produkt nach folgender Journey:

  1. Sieht eine Facebook-Anzeige (erster Kontakt).
  2. Klickt auf ein organisches Google-Suchergebnis.
  3. Öffnet einen E-Mail-Newsletter.
  4. Gibt die URL direkt ein und kauft (Direct-Traffic als letzter Kontakt).
  • Last-Click würde 100 % dem Direct-Traffic zuschreiben und die anderen Kanäle ignorieren.
  • Linear würde jedem Kanal 25 % geben.
  • Positionsbasiert (U-Modell) würde Facebook und Direct-Traffic je 40 % und Google sowie dem Newsletter je 10 % geben.

3. Warum Multi-Touch Attribution für Ihr Marketing entscheidend ist

Der Wechsel von einer Single-Touch- zu einer Multi-Touch-Perspektive ist kein rein technisches Upgrade, sondern eine fundamentale strategische Neuausrichtung mit weitreichenden Vorteilen.

  • Intelligente Budgetverteilung: Sie hören auf, Ihr Geld blind in die Kanäle zu stecken, die nur am Ende der Kette stehen. Sie erkennen den Wert von Top-of-Funnel-Aktivitäten (wie Social Media oder Content Marketing), die zwar selten direkt zu Verkäufen führen, aber entscheidend sind, um neue Kunden zu gewinnen.
  • Ganzheitliches Verständnis der Customer Journey: Sie decken die komplexen Zusammenspiele zwischen Ihren Kanälen auf. Sie lernen, welche Pfade Ihre wertvollsten Kunden einschlagen, und können diese gezielt stärken.
  • Gerechte Bewertung der Marketing-Performance: Die Performance von Kampagnen, die auf Markenbekanntheit abzielen, wird endlich sichtbar und messbar. Dies führt zu einer höheren Motivation im Team und einer besseren Rechtfertigung von Investitionen in langfristige Markenbildung.
  • Optimierung des gesamten Marketing-Mix: Anstatt Kanäle isoliert zu betrachten, können Sie die Synergien zwischen ihnen nutzen. Sie sehen, wie eine starke SEO-Strategie die Performance Ihrer bezahlten Anzeigen unterstützt oder wie Ihr Newsletter die Wirkung Ihrer Social-Media-Kampagnen verstärkt.

4. Best Practices: So implementieren Sie MTA erfolgreich

Die Einführung von Multi-Touch Attribution erfordert eine strategische Planung und die richtigen Werkzeuge.

1. Sorgen Sie für eine saubere Datengrundlage

Die beste Attribution ist nur so gut wie die Daten, auf denen sie basiert. Stellen Sie sicher, dass Ihr Tracking lückenlos und konsistent über alle Kanäle hinweg funktioniert. Eine saubere Implementierung von UTM-Parametern für alle Kampagnen ist die absolute Grundvoraussetzung.

2. Wählen Sie das richtige Modell für Ihre Ziele

Beginnen Sie mit einem einfachen Modell wie dem linearen oder positionsbasierten Modell, um ein Gefühl für die Methodik zu bekommen. Analysieren Sie, ob die Ergebnisse mit Ihren strategischen Zielen übereinstimmen. Wenn Sie über genügend Daten in Google Analytics 4 verfügen, ist der Wechsel zum datengetriebenen Modell der logische nächste Schritt.

3. Vergleichen Sie die Modelle miteinander

Die meisten Analyse-Tools ermöglichen den direkten Vergleich verschiedener Attributionsmodelle. Analysieren Sie die Unterschiede: Welches Modell wertet den Kanal „Social Media“ höher oder niedriger? Diese Vergleiche helfen Ihnen, die Logik hinter den Modellen zu verstehen und die richtigen Schlüsse für Ihre Strategie zu ziehen.

4. Denken Sie über die Conversion hinaus

Attribution muss sich nicht nur auf den finalen Kauf beziehen. Wenden Sie die Modelle auch auf Mikro-Conversions an, wie die Anmeldung zum Newsletter, den Download eines Whitepapers oder das Erstellen eines Nutzerkontos. Dies gibt Ihnen Einblicke in die früheren Phasen der Customer Journey.

5. Häufige Herausforderungen und strategische Lösungen

Der Weg zur perfekten Attribution ist mit einigen systembedingten und technischen Hürden verbunden.

„Die technische Implementierung ist zu komplex.“

Problem: Die Vorstellung, alle Touchpoints über verschiedene Geräte und Plattformen hinweg zu erfassen, wirkt technisch überwältigend.

Lösung: Beginnen Sie im Rahmen dessen, was Ihre vorhandenen Tools ermöglichen. Google Analytics 4 bietet bereits von Haus aus leistungsstarke Multi-Touch-Attributionsmodelle, die ohne komplexe technische Einrichtung funktionieren. Konzentrieren Sie sich zunächst darauf, die Daten, die Sie bereits haben, optimal zu nutzen, bevor Sie über teure, spezialisierte Attributionstools nachdenken.

„Wie gehen wir mit Offline-Touchpoints oder Cross-Device-Tracking um?“

Problem: Standard-Web-Analyse-Tools können Kontakte wie den Besuch eines Ladengeschäfts, einen Telefonanruf oder den Wechsel des Nutzers vom Laptop zum Smartphone nur schwer erfassen.

Lösung: Erkennen Sie die Grenzen an und arbeiten Sie mit Näherungswerten. Für eine vollständige Cross-Device- und Offline-Attribution sind fortgeschrittene Plattformen (Customer Data Platforms, CDPs) notwendig, die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen. Für die meisten mittelständischen Unternehmen ist es jedoch bereits ein gewaltiger Fortschritt, die digitale Journey sauber zu attribuieren und Offline-Einflüsse qualitativ abzuschätzen.

„Die Ergebnisse sind nicht eindeutig – was sollen wir jetzt tun?“

Problem: Verschiedene Modelle liefern unterschiedliche Ergebnisse, was zu Verwirrung bei der Entscheidungsfindung führen kann.

Lösung: Betrachten Sie Attributionsmodelle nicht als absolute Wahrheit, sondern als strategische Wegweiser. Die Erkenntnis liegt oft nicht in der exakten Prozentzahl, sondern in der Tendenz. Wenn alle Multi-Touch-Modelle zeigen, dass der Kanal „Content Marketing“ einen signifikanten Beitrag leistet, den Ihr altes Last-Click-Modell ignoriert hat, dann ist das eine klare Handlungsaufforderung, diesen Kanal zu stärken. Nutzen Sie die Daten, um bessere, fundiertere Fragen zu stellen, und nicht, um eine einzige, perfekte Antwort zu finden.

ChristinaSales Manager+4920225855309
PaulSales Manager+4920225855318
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