

Die Diskussion um das richtige Content Management System (CMS) führt oft in die Irre. Teams streiten über Drag-and-Drop-Funktionen, Animationen oder Plugins. Dabei übersehen sie den Elefanten im Raum: Dein Tech-Stack ist keine Sammlung von Features, sondern das Fundament deines operativen Geschäftsmodells. Wenn du 2026 zwischen Framer und WordPress entscheidest, wählst du nicht zwischen zwei Werkzeugen. Du entscheidest dich für eine Philosophie.
Framer verspricht Geschwindigkeit und Unabhängigkeit von Entwicklern. WordPress verspricht Kontrolle, Skalierbarkeit und ein unerschöpfliches Ökosystem. Beide Versprechen haben ihren Preis. Die Frage ist nicht, welches Tool "besser" ist. Die Frage ist, welches Risiko du bereit bist einzugehen. Setzt du auf eine vertikal integrierte Plattform, die dir Arbeit abnimmt, dich aber einsperrt? Oder setzt du auf ein offenes System, das dir alles erlaubt, aber ständige Pflege verlangt?
In diesem Artikel zerlegen wir die Marktdaten vom Februar 2026, analysieren die Roadmaps beider Anbieter und geben dir eine Entscheidungshilfe an die Hand, die über das übliche Marketing-Bla-Bla hinausgeht. Wir schauen auf harte Zahlen, echte Abhängigkeiten und die strategische Wette, die du mit deiner Wahl eingehst.
Die eigentliche Entscheidung hinter Framer vs. WordPress
Vergiss für einen Moment die glänzenden Landingpages der Anbieter. Wenn du eine Website planst, die mehr ist als eine digitale Visitenkarte, triffst du eine fundamentale Architekturentscheidung. Es geht hier um die Wette: „Integrated Platform“ gegen „Modular Ecosystem“.
Framer agiert als geschlossene Einheit. Design, Hosting, Publishing – alles passiert an einem Ort. Das reduziert Komplexität massiv. Du musst keine Server konfigurieren, keine Sicherheits-Plugins aktualisieren und keine PHP-Versionen prüfen. Das Versprechen: Deine Marketing-Abteilung baut und veröffentlicht Kampagnen in Echtzeit, ohne ein Ticket bei der IT zu ziehen.
WordPress hingegen ist der ultimative Baukasten. Du besitzt den Code. Du wählst den Hoster. Du entscheidest über jedes Plugin. Das macht dich mächtig, aber auch verantwortlich. Wenn ein Plugin ein Sicherheitsloch reißt, ist das dein Problem. Dafür gehört dir die Plattform wirklich. Niemand kann dir den Account sperren oder die Preise diktieren, ohne dass du eine Ausweichmöglichkeit hast.
Die Marktdaten von W3Techs (Stand Februar 2026) zeichnen ein klares Bild der Machtverhältnisse: WordPress läuft auf ca. 42,6 % aller Websites und hält einen CMS-Marktanteil von 59,9 %. Framer wird auf 0,2 % aller Websites genutzt, was einem CMS-Marktanteil von 0,3 % entspricht. Das ist kein Qualitätsurteil. Aber es zeigt, wo der Mainstream steht. WordPress ist der Standard. Framer ist der Herausforderer für spezifische Use Cases.
Diese Logik gilt natürlich nicht, wenn du nur eine kleine Marketing-Seite ohne Skalierungsambition betreibst. Dann ist der Overhead von WordPress oft overkill und die Agilität von Framer unschlagbar. Aber sobald du Prozesse skalierst, wird diese strategische Wette über deinen Erfolg entscheiden.
Zwei Philosophien: Vertikale Plattform (Framer) vs. modulares Ökosystem (WordPress)
Schauen wir tiefer in die DNA der beiden Kontrahenten. Ihre Entwicklungsrichtungen im Jahr 2026 verraten viel darüber, wen sie eigentlich als Kunden wollen.
Framer: Das Apple-Prinzip
Framer baut eine vertikale Plattform. Sie kontrollieren das Erlebnis von Anfang bis Ende. Das erinnert stark an Apple: Es funktioniert einfach, sieht gut aus, aber wehe, du willst etwas tun, das der Hersteller nicht vorgesehen hat.
Die Updates der letzten Monate bestätigen diesen Kurs. Framer rollt Funktionen für „Advanced Hosting“ aus, verbessert das „Multi-Site“-Management und erlaubt endlich tiefere Eingriffe via „Custom Headers“. Das sind klare Signale in Richtung Enterprise-Kunden. Sie wollen weg vom Image des reinen Design-Tools für Hipster-Agenturen hin zur ernstzunehmenden Infrastruktur für Unternehmen. Aber: Du bleibst Gast in ihrem Haus. Wenn Framer morgen das Pricing ändert oder eine Funktion streicht, hast du wenig Hebel.
WordPress: Das Linux-Prinzip
WordPress setzt auf die Kraft der Masse. Open Source, GPL-Lizenz, unendliche Erweiterbarkeit. Die Strategie hier heißt: Gutenberg. Das Projekt, das den Editor revolutionierte, durchdringt mittlerweile die gesamte Site-Architektur. „Full Site Editing“ ist keine Beta-Funktion mehr, sondern der Standard.
Die Roadmap zeigt, dass WordPress versucht, die Lücke in der User Experience zu schließen, ohne die Offenheit zu opfern. Die Phasen des Gutenberg-Projekts zielen darauf ab, Kollaboration und Mehrsprachigkeit nativ in den Core zu holen – Dinge, für die man früher teure Plugins brauchte. Doch der Preis der Freiheit ist Fragmentierung. Du baust dir dein System aus Komponenten verschiedener Autoren zusammen. Das erfordert Governance.
Das gilt nicht, wenn dein Stack ohnehin stark durch Custom Development getrieben ist und das CMS nur als reiner Content-Container (Headless) dient. In diesem Fall verblassen die Unterschiede im Frontend-Editing, und die API-Qualität entscheidet.
Marktanteile 2026: Was Adoption wirklich bedeutet (und was nicht)
Zahlen lügen nicht, aber man muss sie interpretieren. Wenn wir uns die Daten von W3Techs ansehen, wirkt der Kampf David gegen Goliath fast lächerlich.
- WordPress: ~59,9 % Marktanteil unter den CMS.
- Framer: ~0,3 % Marktanteil unter den CMS.
Bedeutet das, Framer ist irrelevant? Nein. Marktanteil ist 2026 kein direkter Indikator für Produktqualität. Er ist aber ein massiver Indikator für Verfügbarkeit von Talent und Ressourcen.
Wenn du für ein WordPress-Projekt einen Entwickler suchst, findest du Tausende. Agenturen, Freelancer, interne Mitarbeiter – das Wissen ist allgegenwärtig. Wenn du ein Problem hast, gibt es wahrscheinlich schon einen Foren-Eintrag, ein YouTube-Tutorial oder ein Plugin dafür. Das ist der Netzwerkeffekt in Reinkultur.
Bei Framer sieht das anders aus. Die Community ist aktiv und enthusiastisch, aber klein. Wenn du komplexe Logik in Framer abbilden willst, brauchst du oft sehr spezifisches React-Wissen oder musst auf die Roadmap des Herstellers warten. Du kaufst dich in einen exklusiven Club ein. Das sorgt für Fokus, birgt aber das Risiko, dass du bei Problemen allein dastehst oder teure Spezialisten einkaufen musst.
Diese Betrachtung gilt nicht, wenn dein Use Case hochspezialisiert ist und du bewusst gegen den Mainstream gehst, um dich durch Design-Exzellenz abzuheben. Hier kann die Exklusivität von Framer sogar ein Vorteil sein, weil du Talente anziehst, die Lust auf moderne Tools haben.
Roadmap-Signale: Wohin bewegen sich die Plattformen?
Nichts ist gefährlicher als eine Software-Entscheidung auf Basis des Ist-Zustands. Du musst wissen, wo die Reise hingeht.
WordPress 7.0 steht vor der Tür
Der Blick in den „Make WordPress Core“-Kalender verrät: WordPress 7.0 ist für den 9. April 2026 geplant. Ein Major Release bedeutet bei WordPress oft einen Schnitt. Der Fokus liegt klar auf der Vollendung des Site Editors und der Modernisierung der Admin-Oberfläche. WordPress will den „Admin-Blues“ loswerden – dieses Gefühl, in einem Backend von 2010 zu arbeiten. Die strategische Achse ist klar: Die Hürde für Non-Technical-User senken, ohne die Entwickler zu vergraulen.
Framer wird erwachsen
Framer arbeitet sich an den Schmerzen größerer Organisationen ab. Die Einführung von besseren Staging-Umgebungen, granularen Rollenrechten und Skalierungs-Features zeigt, dass sie den Markt der mittelständischen Unternehmen und Scale-ups ins Visier nehmen. Sie wissen, dass sie mit reinen Design-Features den Kampf gegen Webflow oder WordPress auf Dauer nicht gewinnen, wenn die IT-Abteilung „Nein“ sagt.
Ein Warnhinweis: Roadmaps sind Absichtserklärungen. In der Softwareentwicklung verschieben sich Releases. Funktionen werden gestrichen oder depriorisiert. Verlasse dich niemals zu 100 % auf ein Feature, das „bald kommen soll“.
Zukunftswetten: Talent-Pool, Integrationen, Lock-in, Ownership
Lass uns über das sprechen, was im Management-Board wirklich zählt: Risikominimierung und Zukunftsfähigkeit.
Der Lock-in-Effekt
Framer ist ein „Walled Garden“. Deine Daten, dein Design, dein Hosting – alles liegt bei Framer. Das ist bequem, bis du weg willst. Ein Export ist oft nur visuell möglich oder erfordert komplexe Workarounds. Du mietest deine Infrastruktur. Erhöht Framer die Preise, zahlst du. Ändern sie die AGB, nickst du ab.
WordPress bietet dir durch die GPL-Lizenz echte Ownership. Du kannst deine Seite nehmen, zippen und zu einem anderen Hoster ziehen. Du kannst den Code umschreiben. Niemand kann dir WordPress wegnehmen.
Talent und Integration
Die Dominanz von WordPress (siehe W3Techs) sorgt dafür, dass fast jedes Marketing-Tool der Welt zuerst eine WordPress-Integration baut. CRM, Newsletter, Analytics – für WordPress gibt es ein Plugin. Bei Framer bist du oft auf Zapier oder Code-Overrides angewiesen. Das funktioniert, ist aber fragiler.
Zudem ist der Talent-Pool bei WordPress riesig. Bei Framer konkurrierst du um eine kleine Gruppe von Designern, die auch Code verstehen, oder Entwicklern, die Lust auf No-Code-Tools haben.
Aber: Lock-in ist relativ. Wenn dein Team mit Framer doppelt so schnell launchen kann, ist der theoretische Lock-in vielleicht ein Preis, den du gerne zahlst. Geschwindigkeit ist im Marketing oft wertvoller als theoretische Portabilität.
Entscheidungsmatrix: Wenn X wahr ist, wähle Y
Um die Entscheidung greifbar zu machen, brechen wir sie auf konkrete Szenarien für die nächsten 12 bis 24 Monate herunter.
Wähle Framer, wenn:
- Dein primäres Ziel Marketing-Geschwindigkeit und Design-Exzellenz ist.
- Dein Team aus Designern besteht, die direkt publizieren wollen, ohne Umweg über Entwickler.
- Du eine Landingpage, Portfolio-Seite oder mittelgroße Marketing-Site baust.
- Du keine komplexen Datenbank-Strukturen oder User-Generated-Content brauchst.
- Du bereit bist, für Komfort und Speed einen monatlichen Preis pro Seat zu zahlen.
Wähle WordPress, wenn:
- Datenhoheit und Unabhängigkeit (Ownership) für deine Compliance oder Strategie kritisch sind.
- Du komplexe Integrationen (z.B. tiefes E-Commerce, Mitgliederbereiche, Intranet) benötigst.
- Du Zugriff auf einen riesigen Pool an günstigen Entwicklern und Plugins haben willst.
- Du eine Content-Maschine mit Tausenden von Artikeln und komplexen Taxonomien aufbaust.
- Dein Budget eher in Entwicklung als in Lizenzgebühren fließen soll.
Diese Matrix gilt nicht, wenn die Plattform nur eine Übergangslösung bis zu einem kompletten Replatforming ist. Dann zählt nur: Was geht am schnellsten live?
Mini-Tests, die deine Plattform-Entscheidung entzaubern
Glaube keinem Sales-Deck. Mache diese drei operativen Tests, bevor du den Vertrag unterschreibst:
- Der „Änderung am Freitagnachmittag“-Test: Bitte einen Marketing-Mitarbeiter (keinen Dev!), eine Landingpage zu duplizieren, den Header zu ändern und live zu schalten. Bei Framer dauert das oft Minuten. Bei einem schlecht konfigurierten WordPress-Setup brauchst du ein Ticket bei der Agentur.
- Der Integrations-Check: Nimm dein wichtigstes Tool (z.B. dein spezifisches CRM) und versuche, ein Lead-Formular nativ einzubinden. Bei WordPress installierst du wahrscheinlich ein Plugin. Bei Framer musst du vielleicht ein Code-Component bauen oder embedden. Wie fühlt sich das an?
- Der Exit-Plan: Simuliere gedanklich den Auszug. Wie bekommst du deine 500 Blogartikel inklusive Bildern und Meta-Daten aus dem System? Bei WordPress exportierst du eine XML. Bei Framer prüfst du besser vorher, wie gut der CMS-Export wirklich funktioniert.
E-E-A-T Block: Was wir beobachtet haben
Position: Wir betrachten dies aus der Perspektive von Strategie-Beratern, die Unternehmen bei der digitalen Transformation begleiten.
Setup: Wir haben Updates für eine typische B2B-Website simuliert – klassischer Mix aus Content-Marketing und Feature-Landingpages.
Beobachtung:
Der größte Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Kultur. In Framer-Projekten sahen wir, dass Designer plötzlich Verantwortung für den Live-Betrieb übernehmen. Die Barriere zwischen „Entwurf“ und „Live“ verschwindet. Das beschleunigt Prozesse extrem, führt aber auch zu Fehlern (z.B. kaputtes Responsive Design auf Mobile), wenn keine QS-Prozesse greifen.
Bei WordPress-Projekten ist die Trennung strikter. Das System ist robuster gegen „versehentliches Kaputtmachen“, aber jede Änderung fühlt sich schwerer an.
Grenzen: Unsere Beobachtungen ersetzen keine vollständige TCO-Studie (Total Cost of Ownership) und wir haben keine Langzeit-Enterprise-Migration über 5 Jahre begleitet.
Fazit: Marktführer oder Momentum-Player – welche Wette passt zu deinem Operating Model?
Am Ende ist die Wahl zwischen Framer und WordPress im Jahr 2026 eine Entscheidung über dein Operating Model.
Willst du ein Marketing-Team, das autonom agiert, visuell denkt und schnell iteriert? Dann ist Framer trotz des geringen Marktanteils (0,3 % CMS Share) und des Plattform-Risikos oft die bessere Wette. Du kaufst Geschwindigkeit und bezahlst mit Abhängigkeit.
Willst du ein stabiles Fundament, das dir gehört, für das du leicht Personal findest (59,9 % CMS Share) und das du bis zur Unkenntlichkeit anpassen kannst? Dann führt an WordPress 7.0 kein Weg vorbei. Du kaufst Sicherheit und Freiheit, bezahlst aber mit Wartungsaufwand und Komplexität.
Die Technologie ist nur der Hebel. Die Strategie ist die Hand, die ihn bewegt. Entscheide dich nicht für das schönere Tool. Entscheide dich für das Tool, das deine Geschäftsziele heute und in zwei Jahren am besten unterstützt.
Nächste Schritte für dich:
- Prüfe deine internen Ressourcen: Hast du Entwickler oder Designer?
- Führe den „Freitagnachmittag-Test“ durch.
- Rechne die TCO für 3 Jahre durch (Lizenzen vs. Wartung).
Solltest du unsicher sein, ob dein Team bereit für den Wechsel ist oder ob du dich gerade in eine Sackgasse manövrierst: Lass uns reden. Wir bieten ein strategisches Plattform-Audit an, das deine Anforderungen gegen die Realität prüft.



