
In einem digitalen Umfeld, in dem die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer stetig sinkt, stehen Marketing-Entscheider vor der Herausforderung, mit ihren Werbebotschaften herauszustechen. Wie kann man eine Geschichte erzählen oder mehrere Produkte präsentieren, ohne den Nutzer mit Informationen zu überladen? Karussell-Anzeigen sind die innovative Antwort auf diese Frage. Dieses interaktive, durchblätterbare Anzeigenformat, das über Social-Media-Plattformen bekannt wurde und nun auch in Google Ads über Demand-Gen-Kampagnen Einzug hält, ermöglicht es, mehrere Bilder oder Videos in einer einzigen Anzeige zu bündeln. Für strategische Marketer sind sie das Instrument, um das Engagement zu steigern, komplexe Geschichten zu erzählen und die Performance ihrer visuellen Kampagnen auf ein neues Level zu heben.
1. Was sind Karussell-Anzeigen?
Karussell-Anzeigen (engl. Carousel Ads) sind ein interaktives Anzeigenformat, das es Werbetreibenden ermöglicht, eine Serie von zwei oder mehr Bildern oder Videos – sogenannte „Karten“ – in einer einzigen Anzeigeneinheit zu präsentieren. Der Nutzer kann horizontal durch diese Karten wischen oder klicken, um die verschiedenen Inhalte zu entdecken. Jede Karte kann dabei über einen eigenen Anzeigentitel, eine Beschreibung, einen Link zu einer spezifischen Landingpage und einen eigenen Call-to-Action verfügen.
Der strategische Zweck von Karussell-Anzeigen ist es, die Tiefe und Interaktivität der Werbebotschaft zu erhöhen. Anstatt sich auf ein einziges Bild oder eine einzige Botschaft beschränken zu müssen, können Marken ein visuelles Storytelling betreiben, eine Produktpalette vorstellen oder die verschiedenen Facetten einer Dienstleistung beleuchten. Dies fördert die aktive Auseinandersetzung des Nutzers mit der Anzeige und steigert nachweislich das Engagement und die Conversion-Wahrscheinlichkeit.
2. Wie funktionieren Karussell-Anzeigen in der Praxis?
Die Funktionsweise ist über verschiedene Plattformen wie Meta (Facebook, Instagram), LinkedIn und nun auch Google Ads (innerhalb von Demand-Gen-Kampagnen) konzeptionell sehr ähnlich.
Aufbau einer Karussell-Anzeige
Ein Werbetreibender erstellt die Anzeige, indem er eine Sequenz von mindestens zwei Karten zusammenstellt. Jede Karte besteht typischerweise aus:
- Einem visuellen Element: Ein Bild oder ein kurzes Video.
- Einem Titel: Eine prägnante Überschrift für die jeweilige Karte.
- Einer Beschreibung (optional): Ein kurzer Text, der weitere Details liefert.
- Einem Ziel-Link: Eine spezifische URL, auf die der Nutzer beim Klick auf die Karte geleitet wird.
- Einem Call-to-Action (optional pro Karte): Eine Handlungsaufforderung wie „Jetzt kaufen“ oder „Mehr erfahren“.
Am Ende des Karussells befindet sich oft eine zusammenfassende „Endkarte“, die meist das Markenlogo und einen generellen Link zur Website enthält.
Interaktion und Optimierung
Wenn die Anzeige ausgespielt wird, sieht der Nutzer die erste Karte und visuelle Indikatoren (z. B. Punkte oder Pfeile), die signalisieren, dass weitere Inhalte verfügbar sind. Er kann nun aktiv durch die Karten navigieren.
Viele Plattformen, einschließlich Google, bieten eine automatische Optimierungsfunktion. Ist diese aktiviert, analysiert der Algorithmus, welche Karten die beste Performance (z. B. höchste Klickrate) erzielen. Anschließend kann das System die Reihenfolge der Karten dynamisch anpassen und die erfolgreichsten Karten zuerst anzeigen, um die Gesamtleistung der Anzeige zu maximieren.
Beispiel: Ein Modehändler bewirbt seine neue Sommerkollektion.
- Karte 1: Zeigt ein Sommerkleid und verlinkt direkt auf die Produktseite des Kleides.
- Karte 2: Präsentiert passende Sandalen und verlinkt auf deren Produktseite.
- Karte 3: Zeigt eine Sonnenbrille und verlinkt auf die Zubehör-Kategorie.
- Karte 4: Ein kurzes Video, das ein Model zeigt, das das gesamte Outfit trägt.
Ein Nutzer, der sich für Schuhe interessiert, kann direkt zur zweiten Karte navigieren und auf die für ihn relevante Seite klicken, ohne sich durch die gesamte Website kämpfen zu müssen.
3. Warum sind Karussell-Anzeigen strategisch unverzichtbar?
Karussell-Anzeigen sind mehr als nur ein trendiges Format. Sie bieten einen messbaren strategischen Mehrwert, der sie für Performance- und Branding-Ziele unverzichtbar macht.
- Gesteigertes Engagement und höhere Interaktionsraten: Das interaktive Element des Wischens oder Klickens bindet den Nutzer aktiv ein. Diese „Mikro-Commitments“ führen zu einer längeren Verweildauer bei der Anzeige und einer tieferen Auseinandersetzung mit der Marke, was die Klickraten im Vergleich zu statischen Bildanzeigen oft signifikant erhöht.
- Effektives visuelles Storytelling: Sie können eine Geschichte schrittweise erzählen – ein Problem aufzeigen (Karte 1), Ihre Lösung vorstellen (Karte 2) und den Nutzen demonstrieren (Karte 3). Dies ist ideal für die Erklärung komplexer Produkte oder Dienstleistungen.
- Präsentation von Produktvielfalt: Für E-Commerce-Unternehmen sind Karussells perfekt, um mehrere Produkte einer Kategorie, verschiedene Modelle eines Artikels oder eine ganze Kollektion in einer einzigen, kompakten Anzeige zu präsentieren.
- Höhere Relevanz durch spezifische Links: Da jede Karte zu einer anderen Landingpage führen kann, können Sie den Nutzer direkt zu dem für ihn relevantesten Produkt oder Inhalt leiten. Dies verbessert die Nutzererfahrung erheblich und senkt die Absprungraten auf den Zielseiten.
- Innovations- und Wettbewerbsvorteil: Besonders im Google-Universum, wo Karussell-Anzeigen über Demand-Gen-Kampagnen (die Nachfolger der Discovery Ads) ein neueres Feature sind, können Marken, die dieses Format frühzeitig und gekonnt einsetzen, aus der Masse hervorstechen und sich einen Wettbewerbsvorteil durch höhere Anzeigenqualität sichern.
4. Best Practices: So erstellen Sie performante Karussell-Anzeigen
Der Erfolg eines Karussells hängt von der durchdachten Gestaltung der einzelnen Karten und ihrer Dramaturgie ab.
1. Beginnen Sie mit einem starken ersten Bild
Die erste Karte ist Ihr wichtigster Aufhänger. Sie muss die Aufmerksamkeit des Nutzers innerhalb von Sekunden fesseln und ihn neugierig auf die folgenden Karten machen. Verwenden Sie Ihr fesselndstes Bild oder Video an erster Stelle.
2. Erzählen Sie eine kohärente Geschichte
Stellen Sie sicher, dass Ihre Karten visuell und inhaltlich zusammenhängen. Sie sollten sich wie eine natürliche Sequenz anfühlen. Eine gute Methode ist es, ein Bild zu verwenden, das sich über mehrere Karten erstreckt und den Nutzer zum Weiterschieben animiert (Panorama-Effekt).
3. Sorgen Sie für visuelle Konsistenz
Auch wenn Sie unterschiedliche Produkte oder Aspekte zeigen, sollten die Bilder oder Videos einen einheitlichen Look-and-Feel haben (z. B. ähnliche Farbwelten, Filter oder Bildkomposition). Dies stärkt die Markenwahrnehmung und wirkt professioneller.
4. Halten Sie die Texte kurz und prägnant
Die Stärke des Formats liegt in der Visualität. Die Titel und Beschreibungen sollten die Bilder unterstützen, nicht von ihnen ablenken. Konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten Informationen und einen klaren Call-to-Action pro Karte.
5. Nutzen Sie die automatische Optimierung (wo verfügbar)
Aktivieren Sie die Option, die es der Plattform erlaubt, die Reihenfolge der Karten basierend auf der Performance zu optimieren. Dies ist ein einfacher Weg, die Effizienz Ihrer Anzeige datengestützt zu steigern. Deaktivieren Sie diese Funktion nur, wenn Sie eine Geschichte in einer festen, chronologischen Reihenfolge erzählen müssen.
5. Häufige Herausforderungen und strategische Lösungen
Der Einsatz dieses dynamischen Formats birgt auch spezifische Herausforderungen, die es zu meistern gilt.
Zu hoher Produktionsaufwand für die Assets
Problem: Die Erstellung von bis zu 10 hochwertigen, zusammenhängenden Bildern oder Videos scheint für kleinere Teams zu aufwendig.
Lösung: Denken Sie in Modulen und nutzen Sie vorhandenes Material.
- Recycling: Oft besitzen Unternehmen bereits eine Vielzahl von Produktbildern oder Stock-Fotos, die sich zu einer thematischen Geschichte kombinieren lassen.
- Fokus auf Vielfalt: Anstatt 10 Varianten desselben Produkts zu zeigen, erzählen Sie eine Story mit verschiedenen Arten von Assets: ein Produktbild, ein Bild mit einem zufriedenen Kunden, eine Grafik mit einem USP und ein kurzes Video.
- Starten Sie klein: Sie müssen nicht sofort 10 Karten erstellen. Ein Karussell mit 3–5 starken Karten ist oft wirkungsvoller als eines mit 10 mittelmäßigen.
Der Nutzer interagiert nur mit der ersten Karte
Problem: Die Analyse zeigt, dass die meisten Nutzer nicht über die erste Karte hinaus blättern.
Lösung: Dies deutet auf eine schwache visuelle Erzählung oder einen Mangel an Anreizen hin.
- Schaffen Sie Neugier: Stellen Sie auf der ersten Karte eine Frage oder teasern Sie eine Lösung an, die auf den folgenden Karten enthüllt wird.
- Nutzen Sie den Panorama-Effekt: Gestalten Sie ein Bild, das über die erste und zweite Karte geschnitten ist. Der unvollständige visuelle Eindruck motiviert den Nutzer zum Weiterschieben, um das ganze Bild zu sehen.
- Integrieren Sie einen textlichen Hinweis: Ein kurzer Text wie „Wische nach links für mehr Farben“ kann die Interaktion anstoßen.
Kannibalisierung der Klicks
Problem: Es besteht die Sorge, dass die vielen Optionen den Nutzer überfordern (Choice Paralysis) und die Klicks sich auf zu viele verschiedene Landingpages verteilen, was die Optimierung erschwert.
Lösung: Definieren Sie ein klares Ziel für das Karussell.
- Ein Produkt, viele Facetten: Wenn Ihr Ziel der Verkauf eines einzigen Produkts ist, zeigen Sie auf den Karten verschiedene Anwendungsfälle, Details oder Vorteile, aber verlinken Sie alle Karten auf dieselbe Produktseite.
- Eine Kategorie, viele Produkte: Wenn Sie eine Produktkategorie bewerben, stellen Sie sicher, dass jede Karte klar ein anderes Produkt zeigt und auf die jeweilige Detailseite verlinkt. So bieten Sie eine wertvolle Vorauswahl. Der Schlüssel ist, dem Nutzer nicht willkürliche, sondern relevante und strukturierte Optionen zu bieten.

