In der sich wandelnden Landschaft des digitalen Marketings hat Google mit den Demand Gen Kampagnen einen strategischen Meilenstein gesetzt. Als direkter Nachfolger der Discovery-Kampagnen stellt dieser KI-gestützte Kampagnentyp einen Paradigmenwechsel dar: Weg von der reinen Reaktion auf bestehende Nachfrage, hin zur proaktiven Schaffung von Interesse und Bedarf. Für Marketing-Entscheider ist es unerlässlich, dieses Instrument zu verstehen, um das volle Potenzial für Markenwachstum und Kundenakquise auszuschöpfen.
1. Was ist eine Demand Gen Kampagne?
Eine Demand Gen (Demand Generation) Kampagne ist ein vollautomatisierter Kampagnentyp in Google Ads, der darauf ausgelegt ist, durch visuell ansprechende Anzeigen die Nachfrage für Produkte oder Dienstleistungen zu wecken und zu steigern. Sie nutzt die reichweitenstarken und unterhaltsamen Plattformen YouTube (inklusive Shorts), Google Discover und Gmail, um Nutzer in Momenten der Inspiration und des Entdeckens anzusprechen.
Der primäre Zweck einer Demand Gen Kampagne ist es, Nutzer im Mid- und Lower-Funnel zu erreichen, Kaufinteresse zu wecken und Conversions zu fördern. Im Gegensatz zu Suchkampagnen, die auf eine bereits existierende Suchintention reagieren (Pull-Marketing), erzeugen Demand Gen Kampagnen aktiv Nachfrage (Push-Marketing). Sie sind das ideale Werkzeug, um Ihre Marke bei relevanten Zielgruppen ins Gespräch zu bringen, noch bevor diese aktiv nach einer Lösung suchen.
Wichtige strategische Ziele für Demand Gen Kampagnen umfassen:
- Nachfragegenerierung: Wecken des Interesses für neue Produkte oder Dienstleistungen.
- Steigerung der Kaufbereitschaft (Consideration): Positionierung Ihrer Marke als relevante Option im Entscheidungsprozess.
- Lead-Generierung: Sammeln qualifizierter Kontakte über ansprechende visuelle Formate.
- Steigerung der Online-Umsätze: Direkte Förderung von Verkäufen durch inspirierende Produktpräsentationen.
- Effektives Remarketing: Erneute Ansprache von Website-Besuchern mit dynamischen und visuell überzeugenden Anzeigen.
2. Wie funktionieren Demand Gen Kampagnen?
Demand Gen Kampagnen basieren auf Googles fortschrittlicher künstlicher Intelligenz und einem asset-basierten Ansatz. Sie liefern die kreativen Bausteine und strategischen Zielgruppensignale; die KI übernimmt die dynamische Erstellung und Optimierung der Anzeigen.
Anzeigenerstellung und Ausspielung
Sie stellen eine Sammlung von Werbemitteln (Assets) bereit:
- Bilder: Hochwertige, inspirierende Bilder im Quer- und Quadratformat.
- Videos: Kurze, aufmerksamkeitsstarke Videos, insbesondere für YouTube Shorts optimiert (Hochformat).
- Texte: Fesselnde Anzeigentitel und Beschreibungen.
- Logos: Ihr Markenlogo für eine klare Absenderkennung.
Die KI von Google kombiniert diese Assets in Echtzeit zu unzähligen Anzeigenvariationen, darunter Einzelbild-Anzeigen, Karussell-Anzeigen mit mehreren Produkten oder Bildern und Videoanzeigen. Diese werden dann nahtlos in den Feeds von YouTube, Discover und Gmail platziert, um eine unterbrechungsfreie und native Nutzererfahrung zu gewährleisten.
Zielgruppenansprache und Optimierung
Die Stärke von Demand Gen liegt in der präzisen Zielgruppenansprache. Anstelle von starrem Targeting nutzen Sie Zielgruppensignale, um der KI Hinweise auf Ihre idealen Kunden zu geben. Die wichtigsten Optionen sind:
Lookalike-Segmente (ähnliche Zielgruppen): Die leistungsstärkste Neuerung. Sie laden Ihre wertvollsten Kundenlisten hoch (z.B. Käufer, Newsletter-Abonnenten), und die KI findet neue Nutzer mit ähnlichen Merkmalen und Verhaltensweisen.
Remarketing: Sprechen Sie Nutzer an, die bereits mit Ihrer Website oder Ihrem YouTube-Kanal interagiert haben.
Benutzerdefinierte Segmente: Definieren Sie Zielgruppen basierend auf deren Suchanfragen, Website-Besuchen oder App-Nutzung.
Interessen und demografische Merkmale: Sprechen Sie Nutzer basierend auf deren langfristigen Interessen oder demografischen Daten an.
Die Kampagne optimiert sich selbstständig auf die von Ihnen gewählte Gebotsstrategie, sei es die Maximierung von Klicks, Conversions oder eines bestimmten Conversion-Werts (ROAS).
3. Die entscheidenden Vorteile für Ihr Marketing
Für strategisch denkende Marketer bieten Demand Gen Kampagnen handfeste Vorteile, die weit über traditionelle Display-Werbung hinausgehen.
- Proaktive Nachfragegenerierung: Sie sind nicht mehr nur auf bestehende Suchanfragen angewiesen, sondern können aktiv neue Märkte und Zielgruppen für Ihre Angebote erschließen.
- Zugang zu exklusiven, unterhaltsamen Platzierungen: Erreichen Sie über 3 Milliarden Nutzer auf YouTube, Discover und Gmail in einem Umfeld, in dem sie offen für neue Entdeckungen sind.
- Leistungsstarke Lookalike-Segmente: Die Fähigkeit, neue Kunden zu finden, die Ihren besten Bestandskunden ähneln, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil und ein starker Hebel für Wachstum.
- Visuelles Storytelling: Nutzen Sie hochwertige Bilder und Videos, um Ihre Marke und Produkte emotional und überzeugend zu präsentieren und so eine tiefere Verbindung zu potenziellen Kunden aufzubauen.
- KI-gestützte Effizienz: Der vollautomatisierte Ansatz reduziert den manuellen Aufwand und ermöglicht es Ihrem Team, sich auf die strategische Entwicklung von Creatives und Angeboten zu konzentrieren.
4. Best Practices für Erstellung und Optimierung
Der Erfolg einer Demand Gen Kampagne hängt von der Qualität Ihrer strategischen Inputs ab. Mit diesen Best Practices holen Sie das Maximum aus Ihrem Budget heraus.
Assets in höchster Qualität
- Mobile-First-Videos: Produzieren Sie kurze, vertikale Videos (9:16), die für YouTube Shorts optimiert sind. Diese müssen in den ersten Sekunden fesseln und auch ohne Ton verständlich sein
- Authentische Bilder: Vermeiden Sie generische Stockfotos. Nutzen Sie authentische, lebensnahe Bilder, die Ihr Produkt im Einsatz zeigen oder eine klare Emotion transportieren.
- Vielfalt für die KI: Stellen Sie der KI eine breite Palette an unterschiedlichen Bildern, Videos und Texten zur Verfügung. Testen Sie verschiedene Botschaften und visuelle Stile, um herauszufinden, was bei Ihrer Zielgruppe am besten ankommt.
Strategische Zielgruppensteuerung
- Nutzen Sie Ihre wertvollsten Daten: Die Effektivität von Lookalike-Segmenten hängt von der Qualität Ihrer Quelldaten ab. Verwenden Sie Listen Ihrer profitabelsten Kunden als Basis.
- Kombinieren Sie Zielgruppen: Beginnen Sie mit einer Kombination aus Lookalike-Segmenten für die Neukundenakquise und Remarketing-Listen, um die Kaufbereitschaft zu steigern.
- Kampagnenstruktur nach Funnel-Stufe: Erstellen Sie separate Kampagnen oder Anzeigengruppen für Prospecting (Neukunden) und Remarketing (Bestandskontakte), um die Botschaften und Gebote präzise anpassen zu können.
Kontinuierliche Optimierung
- Geduld in der Lernphase: Geben Sie der Kampagne mindestens zwei Wochen Zeit, um genügend Daten zu sammeln, bevor Sie größere Änderungen vornehmen.
- Asset-Analyse: Überprüfen Sie regelmäßig den Asset-Bericht in Google Ads. Tauschen Sie leistungsschwache Creatives (mit "Gering" bewertet) gegen neue Varianten aus.
- A/B-Testing von Landingpages: Stellen Sie sicher, dass die Landingpage die visuelle und inhaltliche Botschaft der Anzeige nahtlos fortführt und für Conversions optimiert ist.
5. Häufige Herausforderungen und Lösungsansätze
Der innovative Ansatz von Demand Gen bringt neue Fragestellungen mit sich. Hier sind typische Herausforderungen und wie Sie diese strategisch meistern.
Schwierige Abgrenzung zu Performance Max
Problem: Beide Kampagnentypen sind KI-gesteuert und nutzen ähnliche Assets. Es ist unklar, wann welcher Typ eingesetzt werden sollte.
Lösung: Vereinfacht gesagt: Performance Max ist ideal, um bestehende Nachfrage über alle Kanäle hinweg zu konvertieren. Demand Gen ist darauf spezialisiert, neue Nachfrage auf den visuellen Plattformen YouTube, Discover und Gmail zu schaffen. Nutzen Sie Demand Gen für Top- und Mid-Funnel-Ziele wie Consideration und Lead-Generierung, während PMax auf den Lower Funnel und maximale Sales-Performance abzielt.
Mangelnde Kontrolle über Placements
Problem: Als Marketer haben Sie keine direkte Kontrolle darüber, wo genau Ihre Anzeigen ausgespielt werden.
Lösung: Akzeptieren Sie den "Blackbox"-Ansatz und konzentrieren Sie sich auf die Hebel, die Sie steuern können: die Qualität der Assets, die Präzision der Zielgruppensignale und die Optimierung der Landingpage. Vertrauen Sie darauf, dass die KI auf Basis Ihrer Ziele die profitabelsten Placements findet.
Geringe Conversion-Raten im Vergleich zu Search
Problem: Die Kampagne generiert zwar Reichweite, aber die direkten Conversion-Raten sind niedriger als bei Suchkampagnen.
Lösung: Das ist erwartbar und kein Zeichen für eine schlechte Performance. Demand Gen spricht Nutzer früher in ihrer Customer Journey an. Messen Sie den Erfolg daher nicht nur an direkten Conversions. Berücksichtigen Sie auch weichere Metriken wie Engagement-Raten und View-Through-Conversions und analysieren Sie, wie die Kampagne die Performance Ihrer nachgelagerten Search- und Remarketing-Kampagnen positiv beeinflusst.

