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Podcastfolge mit Amina Sipcanin und Mike Eisermann: Warum dein Branding mehr verkauft als dein Produkt
30 Min.

Warum dein Branding mehr verkauft als dein Produkt

Amina Sipcanin und Mike Eisermann über Art Direction, Details, Designsysteme und warum eine Marke vor allem ein Gefühl ist. Mit Kapiteln und Transkript.

Amina Sipcanin

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Darum geht’s

Was macht eine Marke aus, mit der sich Menschen wirklich identifizieren? Amina Sipcanin spricht mit Mike Eisermann, Art Director bei pechschwarz®, über Branding, Details und das Gefühl, das eine Marke auslöst. Mike erzählt, wie sich der Fokus der Agentur in fünf Jahren vom Web zur Marke verschoben hat und woran man gute Art Direction erkennt.

Es geht um den Weg vom Audit über die Strategie zum visuellen System, um Anforderungen wie Schriften für 19 Länder, um das ungewohnte Gefühl nach einem Rebranding und um Flossi, das Maskottchen, das die Marke Delfin erlebbar macht. Die Folge dauert gut 30 Minuten.

Im Gespräch: Amina Sipcanin, Head of Corporate Communications, und Mike Eisermann, Art Director bei pechschwarz®.

Die wichtigsten Gedanken

Details machen das große Ganze.

04:17 · Gute Art Direction erkennt man an der Detailverliebtheit. Wenn viele kleine Entscheidungen aufeinander abgestimmt sind und einer Strategie folgen, wirkt eine Marke auf den ersten Blick stimmig.

Eine Marke ist ein System.

10:08 · Vom Audit über die Strategie bis zum Erscheinungsbild baut pechschwarz ein System auf. Typografie, Farben, Bildwelt, Logo und Formen setzen sich zum Markencharakter zusammen.

Anforderungen früh prüfen.

12:53 · Für eine Marke, die in 19 Ländern auftritt, muss eine Schrift auch kyrillische, isländische oder türkische Zeichen abbilden. Wer das erst nach der Freigabe merkt, fängt von vorn an.

Ungewohnt heißt nicht schlecht.

17:50 · Ein neuer Markenauftritt fühlt sich am Anfang oft fremd an. Mike ermutigt Kunden, dieses Gefühl zuzulassen, denn der gewohnte Weg führt zurück zum Ausgangsproblem.

Eine Marke ist ein Gefühl.

29:24 · Mikes Tipp zum Schluss: Achte darauf, was du fühlst, wenn du mit Marken interagierst, die dich täglich umgeben. Genau dort zeigt sich, ob Branding funktioniert.

Das Gespräch in Kapiteln

Die Zeitmarken öffnen die passende Stelle im YouTube-Video.

  • 00:00 · Fünf Jahre pechschwarz: vom Web zur Marke

  • 03:00 · Was gute Art Direction ausmacht

  • 06:53 · Vom Audit zum visuellen System

  • 13:52 · Geschmack, Trends und das ungewohnte Gefühl

  • 21:36 · Flossi: wie eine Marke erlebbar wird

  • 26:23 · Systemdenken bis zum Messestand

Die Folge zum Nachlesen

Redigiertes Transkript auf Grundlage der Aufzeichnung und der automatisch erzeugten YouTube-Untertitel. Füllwörter, Wiederholungen und Satzabbrüche wurden für die Lesbarkeit geglättet. Die Zeitmarken führen zum Gespräch im Originalvideo; die vollständige Audiofassung ist dort maßgeblich.

Einordnung der Redaktion · 5. November 2026

Das Gespräch gibt persönliche Erfahrungen und Einschätzungen wieder. Zu laufenden Projekten nennt Mike nur Beispiele, die bereits öffentlich sind oder ohne Details auskommen. Markencharaktere wie Held oder Herrscher beziehen sich auf das Modell der Markenarchetypen.

Fünf Jahre pechschwarz: vom Web zur Marke

00:00 · Amina Sipcanin: Hi, ich freue mich so sehr, dass du da bist, Mike.

00:00 · Mike Eisermann: Hi, ich mich auch.

00:00 · Amina Sipcanin: Schön, dass du heute Zeit gefunden hast, mit mir über dich und deinen Job zu quatschen, über alles, was du hier bei pechschwarz zauberst, und mir einen Einblick in deine Denkweise zu geben. Stell dich doch erst einmal kurz vor.

00:20 · Mike Eisermann: Nächste Woche bin ich fünf Jahre bei pechschwarz, das fällt mir gerade erst auf. Ich mache mehr oder weniger die Art Direction, alles, was mit Marken zu tun hat. Eigentlich bin ich aber ein Mann für alles, weil ich mich auch gern mit Web, Content und so weiter beschäftige. Ich bin überall ein bisschen mit drin.

00:57 · Amina Sipcanin: Fünf Jahre sind eine lange Zeit, die wahrscheinlich verflogen ist. Was hast du am Anfang gemacht, und was machst du heute?

01:05 · Mike Eisermann: Am Anfang haben wir viel Web gemacht, Marke war ehrlicherweise noch gar kein so großes Thema. Wir saßen damals noch in Ronsdorf und waren halb so viele Leute wie heute. Das hat sich verschoben, weil wir schnell gemerkt haben, dass die Marke eigentlich der Startpunkt ist. Sie wird ins Web übersetzt und an anderen Touchpoints weitergeführt. Heute fokussieren wir uns primär auf Branding, und Web ist mehr oder weniger der Teil, der sich anschließt. Deshalb bin ich heute eher dafür zuständig, während ich früher eher für Web zuständig war.

02:00 · Amina Sipcanin: Nicht nur dein Fokus hat sich also verschoben, sondern auch der von pechschwarz. Wir machen nicht nur Web, wir schauen uns eine Marke ganzheitlich an. Und als Art Director schaust du dem Designteam ganz genau auf die Finger.

02:13 · Mike Eisermann: Genau. Ich schaue allen ein bisschen über die Schulter, gebe Tipps und versuche, dass jeder das maximale Potenzial aus der Marke herausholt. Art Direction heißt, eine Richtung vorzugeben und zu zeigen, wohin sich das Ganze bewegen soll. So verstehen die Leute, die es ausführen, den Vibe, die Marke und die Strategie und können das in ein visuelles Erscheinungsbild übersetzen, das für potenzielle Kunden wichtig ist.

Was gute Art Direction ausmacht

03:00 · Amina Sipcanin: Ist der größte Unterschied zwischen Design und Art Direction dann die Strategie?

03:10 · Mike Eisermann: Nicht wirklich. Man könnte sagen, dass Art Direction und Brand Design noch einmal eigene Themen sind. Deshalb sage ich ja, ich bin ein Mann für alles. Es gibt Projekte, in denen ich mich nur mit Branddesign beschäftige, von der Strategie bis zur Ausleitung und Übergabe. Und es gibt einfachere Projekte, in denen ich nur ein Konzept, also eine Art Direction, vorgebe und sage: So muss es aussehen. Ab da übernimmt die jeweilige Designerin oder der Designer.

03:45 · Amina Sipcanin: Wenn du an dein normales Leben denkst und andere Projekte siehst, nicht unsere: Woran merkst du, dass ein guter Art Director dahinterstand? Erkennt man das mit bloßem Auge?

04:17 · Mike Eisermann: Irgendwie schon. Pauschal kann man sagen: Man erkennt es stark an den Details, an dieser Detailverliebtheit. Die Details machen eigentlich das große Ganze aus, bei Marken und bei Gestaltung generell. Wenn man hier und da Kleinigkeiten ändert, die aufeinander abgestimmt sind und einem bestimmten Flow und einer Strategie folgen, wirkt es auf den ersten Blick viel plausibler, als wenn man nur grob arbeitet und die Details außer Acht lässt. Das findet sich im Alltag häufig wieder, zum Beispiel bei Verpackungen im Regal. Die schaue ich mir genau und ein bisschen analytisch an: Wie haben sie gearbeitet, welche Schriften haben sie genutzt? So weiß man ungefähr, in welchem Qualitätsbereich sie sich bewegen.

05:27 · Amina Sipcanin: Kaufst du dann auch danach, weil dir etwas schöner gefällt?

05:33 · Mike Eisermann: Auf jeden Fall. Wenn mich die Verpackung oder die Botschaft darauf abholt, nehme ich es safe mit. Das ist, glaube ich, ein Designer-Ding.

05:52 · Amina Sipcanin: Witzig. Du kaufst also wirklich mit dem Auge, wahrscheinlich auch beim Essen. Fällt dir gerade eine Marke ein, die dir in letzter Zeit aufgefallen ist und bei der du sagst: Die ist super stimmig, die Detailtiefe passt?

06:22 · Mike Eisermann: Meinst du in einem bestimmten Fall, im Regal, oder ganz grundsätzlich?

06:28 · Amina Sipcanin: Grundsätzlich. Es kann ein Supermarktregal sein, aber auch eine Sportmarke, wenn du Padel spielst, was Mike übrigens gern tut.

06:40 · Mike Eisermann: Das ist witzig, weil gerade viele Padel-Marken aus dem Boden gestampft werden. Man erkennt schnell, dass sie trotzdem einen anderen Vibe versprühen oder einen anderen Archetyp widerspiegeln. Manche sind eher luxuriös, andere eher auf Held gemacht und orientieren sich an Nike. Spannend finde ich, dass man in derselben Branche einen komplett anderen Vibe erzeugen kann, mit dem man sich identifiziert, obwohl es eigentlich fast das Gleiche ist.

Vom Audit zum visuellen System

06:53 · Amina Sipcanin: Der Sport ist derselbe, aber du hast Archetypen genannt. Ganz kurz, damit alle wissen, wovon wir sprechen: Das sind Markencharaktere, also wie eine Marke auftreten möchte. So gehst du auch an Kundenprojekte heran: Wie möchte dieser Kunde wahrgenommen werden? Nach dem Audit kommt dann das Design, richtig? Kannst du Schritt für Schritt erklären, was passiert, nachdem wir einen Kunden gewonnen haben?

08:00 · Mike Eisermann: Als Erstes kommt das Audit. Wir recherchieren und schauen: Wo bewegt sich der Kunde, wo hat er sich bewegt, wo will er hin, was macht die Konkurrenz? Die klassische Recherche, um den aktuellen Stand einzuordnen und zu sehen, wo Probleme und Potenziale liegen. Das übersetzen wir gemeinsam mit dem Kunden in eine Strategie, in der das Ziel formuliert wird. So verstehen die Menschen, die die Marke kennen und kaufen, sie besser und können sich daran orientieren. Häufig ist die Strategie bei Kunden gar nicht sichtbar, und wir versuchen, sie sichtbar zu machen. Uns ist besonders wichtig, dass sich der Kunde damit identifizieren kann und uns das Go gibt: Genau da wollen wir hin, da sehen wir uns. Wenn wir etwas vorstellen, merke ich meistens schon während der Präsentation, wie es ankommt.

09:25 · Amina Sipcanin: Selbst wenn du etwas komplett veränderst, also eine 180-Grad-Wende?

09:30 · Mike Eisermann: Ja, das merkt man. Man sieht direkt: Sie verstehen es, sehen es und wollen dorthin. Im Gespräch danach ergibt sich meist, ob wir weiterarbeiten. Irgendwann kommen wir zum Look, also zum visuellen Erscheinungsbild. Wenn es noch nicht ganz passt, schärfen wir nach, wir können ja auch mal etwas übersehen. Grundsätzlich springen wir aber erst in den Look, wenn die Strategie abgenickt ist.

10:08 · Amina Sipcanin: Und das ist dann der erste Entwurf, der noch einmal mit dem Kunden besprochen wird? Was zählt alles zum Look? Das kann ja Typografie, Farben, Logo und vieles mehr sein.

10:25 · Mike Eisermann: Genau, er setzt sich aus diesen Clustern zusammen: Typografie, Farben, Bildwelt, Logo, Geometrien, Shapes, Patterns und so weiter, je nach Marke unterschiedlich. Wir schauen, welche Anforderungen der Kunde hat, an die Marke selbst, an Verpackungen oder anderes. Manchmal müssen wir überlegen, wie wir Produkte ins Markenbild übersetzen, und fangen dann an, das in bestimmte Geometrien und Systeme zu bringen. Genau so kann man es sehen: Wir bauen für den Kunden ein System auf, von der Strategie bis ins visuelle Erscheinungsbild. Und darin gibt es noch einmal ein System aus Typografie, Farbe und so weiter, aus dem sich irgendwann der Markenkern und der Markencharakter ergeben.

11:40 · Amina Sipcanin: Das sind verschiedene Bausteine, die von außen alle gleich wichtig klingen. Gibt es Must-haves, oder ist es manchmal nicht so schlimm, wenn ein Baustein fehlt?

11:57 · Mike Eisermann: Must-haves gibt es auf jeden Fall: Farbe, Typografie und Logo sind die Basics, die Bildwelt meist auch, wobei es Fälle gibt, in denen sie nicht so essenziell ist. Manches ist total optional. Das hängt davon ab, wie sich die Marke präsentieren möchte und wie wir sie strategisch ausleiten. Wichtig ist, dass wir uns ab dem Schritt ins Visuelle klar sind, was wir brauchen und welche Anforderungen die Marke hat. Ein aktuelles Beispiel: Wir entwickeln für Bauhaus gerade eine Marke für Lichtschalter. Bauhaus ist in 19 Ländern aktiv, also müssen wir eine Schrift auswählen, die für alle Märkte funktioniert, im besten Fall auch Kyrillisch, Isländisch oder Türkisch abbildet. Wir prüfen, ob die nötigen Glyphen enthalten sind. Würden wir eine Schrift auswählen, bei der das nicht so ist, und hätten schon die Freigabe, müssten wir sagen: Sorry, geht nicht. Deshalb prüfen wir vor jeder finalen Entscheidung, ob alle Anforderungen erfüllt sind.

Geschmack, Trends und das ungewohnte Gefühl

13:52 · Amina Sipcanin: Das ist so wichtig, weil ich glaube, dass viele bei Design zuerst an Farben denken und daran, dass es am Ende schön aussehen muss. Dabei ist schon die richtige Schrift entscheidend, sonst hat man in einem anderen Land ein Problem. Zurück zu Bauhaus: Du bist Art Director mit eigenem Geschmack, und im Supermarkt kaufst du, was deinem Auge gefällt. Wie trennst du deinen Geschmack von dem, was der Kunde wirklich braucht, und von Designtrends? Wie schulst du dein Auge darauf?

15:07 · Mike Eisermann: Ich weiß, worauf du hinauswillst. Wir versuchen, weniger auf Trends zu achten und das Design nicht danach auszurichten. Ein Trend ist nur für kurze Zeit trendy und damit nicht zeitlos genug. Wichtiger ist, was den Markenkern ausmacht und wie wir ihn am besten widerspiegeln. Wir wollen auch keinen bestimmten eigenen Stil in jede Marke tragen. Das Ziel ist, die Marke so widerzuspiegeln, dass der Kunde sagt: Genau damit identifiziere ich mich. Und nicht nur die Auftraggeber, sondern alle, die im Unternehmen arbeiten. Sie sollen sich wertgeschätzt und verstanden fühlen und richtig Lust auf ihre Arbeit haben. Bei Sauren ist uns das gelungen: Wir haben vielfach gehört, dass sich die Leute total damit identifizieren und die Arbeit jetzt noch mehr Spaß macht.

16:37 · Amina Sipcanin: Schön, wenn man so ein Markenerlebnis schafft: Es sieht nicht nur auf Papier gut aus, man spürt es überall, online, offline, out of home. Man identifiziert sich mehr mit einer Marke, weil sie modern ist oder für etwas steht, wofür man selbst steht. Das gilt privat bei einer Sportmarke genauso wie beim Arbeitgeber.

17:17 · Amina Sipcanin: Denken wir andersherum: Gab es auch Kunden, die gesagt haben, ich möchte es genau so, obwohl dein visueller Vorschlag eigentlich viel stärker war?

17:30 · Mike Eisermann: Das kommt hin und wieder vor und ist grundsätzlich normal, weil es für den Kunden eine komplette Umstellung ist. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und mag Neues nicht immer sofort. Dieses Gefühl ist aber gar nicht schlecht. Es ist nur ungewohnt, nicht schlecht per se. Man muss sich erst daran gewöhnen. Wenn man es länger auf sich wirken lässt, noch einmal tiefer in die Strategie schaut und es mit Kolleginnen und Kollegen durchgeht …

18:30 · Amina Sipcanin: … dann gewöhnt man sich vielleicht daran.

18:39 · Mike Eisermann: Genau. Man bekommt langsam ein Gespür dafür und merkt immer mehr: Okay, das hat ja doch Hand und Fuß. Deshalb sagen wir allen Kunden: Dieses ungewohnte Gefühl dürft und sollt ihr sogar haben, weil genau das der richtige Weg ist. Kunden kommen ja zu uns, weil sie ein Problem gelöst haben möchten. Diese Lösung übersetzen wir, indem wir den ungewohnten Weg gehen. Würden wir den gewohnten Weg gehen, kämen wir wieder dort an, wo wir am Anfang waren.

19:35 · Amina Sipcanin: Wichtig, das herauszustellen: Nicht alles muss sofort geliebt werden, es muss ein bisschen unangenehm sein, sonst startet der Change-Prozess gar nicht. Aber ganz ehrlich: Wenn dir etwas wirklich nicht gefällt und der Kunde zu hundert Prozent darauf beharrt, seid ihr im Team auch ehrlich genug zu sagen: Machen wir nicht?

19:49 · Mike Eisermann: Auf jeden Fall, das macht uns aus. Alles, hinter dem wir nicht stehen oder was wir nicht empfehlen, kommunizieren wir. Klar gibt es auch Fälle, in denen gesagt wird: Das können oder wollen wir auf keinen Fall machen.

20:09 · Amina Sipcanin: Hast du ein Beispiel? Etwa, wenn es nicht unseren Markenwerten entspricht?

20:21 · Mike Eisermann: Das sind eher Projekte, die gerade laufen. Bei ein, zwei ist das aktuell der Fall, und wir schauen, wie wir es am besten lösen. Deshalb gibt es noch keine Einigung. Aber wir geben unsere Empfehlungen mit und sind transparent, wenn uns etwas nicht gefällt, immer mit Begründung und auf Augenhöhe.

20:50 · Amina Sipcanin: Aber ihr steht zu den Prinzipien: Das ist die Empfehlung. Wenn ihr es unbedingt so machen wollt, wie wir denken, dass es aus diesen Gründen nicht klappt, dann könnt ihr das machen, aber nicht mit uns.

21:05 · Mike Eisermann: Grundsätzlich schon. Wenn es nicht mehr anders machbar ist, übersetzen wir es so weit, wie wir können. Wenn es irgendwann aber keinen Sinn mehr ergibt, müssen wir die Reißleine ziehen.

Flossi: Wie eine Marke erlebbar wird

21:36 · Amina Sipcanin: Dafür steht pechschwarz: Ehrlichkeit und Transparenz. Kunden kommen extra hierher, weil sie die Wahrheit wissen wollen und den Schmerz in Anführungszeichen ertragen, weil daraus etwas viel Besseres entsteht. Dabei musste ich an Delfin denken. Das war ja etwas ganz anderes: Wir stellen euch nicht nur ein neues Logo vor, sondern ihr bekommt auch noch ein Maskottchen.

21:55 · Mike Eisermann: Das war eigentlich ganz lustig. Wir hatten erst eine ganz andere visuelle Richtung, haben sie mit dem Kunden besprochen und beide gemerkt, dass es noch nicht ganz das ist, wo wir hinwollen. Dann haben wir es von der anderen Seite aufgerollt. Für alle, die es nicht wissen: Delfin ist eine Marke für Schwimmhilfen ohne aufblasbare Teile, Schwimmringe, die man um die Arme legt. Wir haben gesagt, eigentlich müsste die Marke viel stärker die Kinder selbst ansprechen und diesen bunten, lebendigen Vibe bekommen. Aus dieser Perspektive haben wir ein Maskottchen gestaltet. Sein Name ist Flossi. Der Kunde hat sich so gefreut, dass wir ihn direkt eintragen ließen, also geschützt haben. Wir haben viele Emotionen und Situationen mit ihm gestaltet: Flossi freut sich, bringt Kindern etwas bei, taucht und so weiter.

23:10 · Amina Sipcanin: Wo wurde Flossi eingesetzt?

23:18 · Mike Eisermann: Eigentlich überall: auf der Verpackung, auf den Infoblättern, auf denen er erklärt, wie man die Schwimmhilfe richtig anzieht, auf Merch und so weiter. Wir haben ihn überall platziert, wo es ging, weil er so gut ankam. Wenn wir dieses Feuer beim Kunden spüren, wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben. Ein cooler Case, vor allem weil der Kunde gar nicht damit gerechnet hatte und wir über den Tellerrand geschaut haben. Wir haben nicht nur Schwimmringe gezeigt, sondern das Ganze als Erlebnis für Kinder im Schwimmbad dargestellt, mit Mock-ups für Sonnencreme, Handtücher, Sonnenschirme und allerlei mehr. Der Kunde sagte sogar: Die Sonnencreme will ich haben, für mein Kind und für mich. Solche Reaktionen freuen uns umso mehr, wenn es nicht nur für die Zielgruppe, sondern auch für den Kunden stimmig ist.

24:30 · Amina Sipcanin: Bei Schwimmringen ist die Zielgruppe ja nicht nur der Erwachsene, der kauft, sondern auch das Kind. Ich kann mir so viel vorstellen: Flossi-Sticker zum Sammeln, ein ganzes Stickeralbum. Diese Erlebniswelt entsteht durch die eine Entscheidung, nicht nur ein stärkeres Logo zu gestalten, sondern die Marke erlebbar zu machen.

24:55 · Mike Eisermann: Genau, wir schaffen ein Markenerlebnis: Man kommt mit der Marke in Berührung und spürt ein bestimmtes Gefühl. Bei Delfin ist uns das besonders gut gelungen.

25:14 · Amina Sipcanin: Gab es auch kleine Erklärvideos mit Flossi für die Kinder?

25:20 · Mike Eisermann: Ja, ich glaube, Marc hat sich da ein bisschen ausgetobt. Die Jungs haben Filme mit Kindern und Eltern gedreht, die zeigen, wie man die Schwimmhilfe anzieht und wie die Eltern die Kinder begleiten. Dabei haben wir auch gezeigt, dass es mehr gibt als die Schwimmringe, zum Beispiel unsere Handtücher, und so die Marke schon in diese Richtung gelenkt.

25:56 · Amina Sipcanin: Intern sind wir richtig gut aufgestellt, Marc hat ja auch den Synchronsprecher gemacht. Spannend, wie interdisziplinär wir sind: Jemand hat die Idee, der Kunde feiert sie, sonst ginge es nicht, und wir setzen sie so schnell um, dass Flossi tatsächlich zum Leben erweckt wurde. Eine tolle Geschichte.

Systemdenken bis zum Messestand

26:23 · Mike Eisermann: Total, das Projekt hat sehr viel Spaß gemacht. Es gibt auch trockenere, nüchternere Projekte, aber Delfin war wirklich erfrischend.

26:23 · Amina Sipcanin: Woran arbeitest du gerade? Ist das das Bauhaus-Projekt?

26:30 · Mike Eisermann: Genau, das leiten wir gerade aus. Dazu kommen ein paar Erneuerungen, zum Beispiel bei Sauren. Das sind meine Hauptprojekte, die ich ganzheitlich betreue, von der Strategie über das visuelle Erscheinungsbild bis zur Ausleitung, etwa wie wir alles in ein Brand Kit übersetzen und Touchpoints wie Messen gestalten. Für Sauren geht es damit gerade los, und ich freue mich darauf, das Messekonzept zu entwickeln. Die freuen sich auch immer, mit uns zu arbeiten, und es ist cool, wenn man das Ergebnis sieht.

27:20 · Amina Sipcanin: Die Marke ist fertig, aber auf einer Messe muss sie noch einmal ganz anders wirken. Wenn man eine Marke zum Leben erweckt, muss man sich schon am Anfang fragen, ob sie für alles funktioniert. Das finde ich wirklich spannend.

27:43 · Mike Eisermann: Das ist genau das Systemdenken, das ich am Anfang angesprochen habe. Wir müssen uns früh klar sein, welches System wir wo anwenden: Funktioniert es auf einer Messe, in Motion, im Druck und gleichzeitig digital? Diese Fragen müssen bei jeder Entscheidung schon gestellt und beantwortet sein. Sonst müssen wir hinterher alles neu machen oder noch eine Runde drehen. Im besten Fall sind uns die Anforderungen ganz am Anfang klar, wir wissen genau, wo wir hinwollen, und können das perfekte Ergebnis liefern.

28:45 · Amina Sipcanin: Das waren eigentlich schon die perfekten Schlussworte, denn das perfekte Ergebnis versuchen wir immer zu liefern. Spannend, deine Perspektive zu hören: Design ist nicht nur, wie etwas schön aussieht, sondern auch, wie alles wirkt. Wenn du allen Zuhörerinnen und Zuhörern eine einzige Sache zum Thema Design mitgeben könntest: Was könnten sie ab jetzt anders sehen?

29:00 · Mike Eisermann: Gestaltung, beziehungsweise eine Marke, ist immer ein Gefühl. Versucht bei Marken, mit denen ihr euch täglich umgebt, zu spüren, was ihr empfindet, wenn ihr mit ihnen interagiert, und wie ihr zu ihnen steht. Das frage ich mich auch oft, wenn ich mit einer Marke neu in Berührung komme: Wie denke ich über sie, was fühle ich für sie? Das ist immer eine spannende Erkenntnis.

29:58 · Amina Sipcanin: Ein sehr schöner Gedanke. Mike, vielen Dank, wir sind schon am Ende angekommen. Hat mich sehr gefreut.

29:58 · Mike Eisermann: Ebenso, tschüss.

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