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Podcastfolge mit Amina Sipcanin und Pi Tumpaeng: Warum Webdesign mehr ist als ein Baukasten
29 Min.

Warum Webdesign mehr ist als ein Baukasten

Amina Sipcanin und Pi Tumpaeng über Designsysteme, Freigaben, Kundenwünsche und warum man nie auslernt. Mit Kapiteln und Transkript.

Amina Sipcanin

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Darum geht’s

Viele denken bei Webdesign an Baukasten und Vorlagen. Amina Sipcanin spricht mit Pi Tumpaeng, Senior UX/UI-Designerin bei pechschwarz®, darüber, warum Web für sie die Grundlage für Design ist: Wer Websites gestaltet, denkt in Designsystemen, die sich auf fast jede Aufgabe übertragen lassen.

Pi erzählt, wie ein Website-Projekt vom Kick-off bis zur schriftlichen Freigabe abläuft, wie sie mit Kunden umgeht, die die Website von Apple wollen, und warum Verantwortungsgefühl, Research und Tutorials für sie wichtiger sind als Ego. Die Folge dauert gut 29 Minuten.

Im Gespräch: Amina Sipcanin, Head of Corporate Communications, und Pi Tumpaeng, Senior UX/UI-Designerin bei pechschwarz®.

Die wichtigsten Gedanken

Web ist die Grundlage für Design.

02:16 · Wer Websites gestaltet, muss in Designsystemen denken: Stimmung, Farben, Typografie und Komponenten werden modular aufgebaut. Deshalb kann Pi auch Brand-Visuals oder einen Messestand gestalten.

Neu entsteht aus vielen Inspirationen.

08:16 · Etwas komplett Neues zu erfinden, ist kaum möglich. Was sich verändert, ist, wie sich eine Seite anfühlt: Bewegung, Scrollytelling, Performance. Neue Tools und KI erleichtern vor allem die Übergabe an die Entwicklung.

Erst intern scheitern, dann präsentieren.

11:12 · Ob eine Idee funktioniert, zeigt sich durch Ausprobieren. Pi testet Ideen zuerst selbst und holt sich ehrliches Sparring im Team, bevor ein Entwurf beim Kunden landet.

Eine schriftliche Freigabe schützt das Projekt.

13:09 · Erst wenn das Figma-Design schriftlich freigegeben ist, geht es in die Entwicklung. Danach werden nur noch technische, keine visuellen Änderungen umgesetzt. Klare Zuständigkeiten im Projektteam halten die Wege kurz.

Verantwortung vor Ego.

21:12 · Für Pi steht Verantwortungsgefühl an erster Stelle, gefolgt von Research und Benchmarks. Ihr Rat: sich nicht für Tutorials schämen und nach jedem Projekt neue Learnings mitnehmen.

Das Gespräch in Kapiteln

Die Zeitmarken öffnen die passende Stelle im YouTube-Video.

  • 00:00 · Von der Ausbildung zur Senior UX/UI-Designerin

  • 02:16 · Warum Web mehr ist als ein Baukasten

  • 07:39 · Trends, neue Tools und KI im Webdesign

  • 10:53 · Vom Entwurf zur Freigabe

  • 16:41 · Wenn Kunden die Website von Apple wollen

  • 19:55 · Was eine gute Designerin ausmacht

Die Folge zum Nachlesen

Redigiertes Transkript auf Grundlage der Aufzeichnung und der automatisch erzeugten YouTube-Untertitel. Füllwörter, Wiederholungen und Satzabbrüche wurden für die Lesbarkeit geglättet. Die Zeitmarken führen zum Gespräch im Originalvideo; die vollständige Audiofassung ist dort maßgeblich.

Einordnung der Redaktion · 5. November 2026

Das Gespräch gibt persönliche Erfahrungen und Einschätzungen wieder. Genannte Tools wie Figma, ChatGPT oder Claude und Funktionen wie MCP-Anbindungen sind Beispiele aus dem Arbeitsalltag; ihr Funktionsumfang ändert sich laufend. Beispiele aus Kundenprojekten sind ohne Namen wiedergegeben.

Von der Ausbildung zur Senior UX/UI-Designerin

00:00 · Amina Sipcanin: Hi Pi.

00:02 · Pi Tumpaeng: Hello!

00:02 · Amina Sipcanin: Schön, dass du da bist. Ich hätte fast Phiraya gesagt, aber das magst du ja gar nicht, das sehe ich schon an deinem Blick. Also: Pi, ganz easy. Ich freue mich so sehr, dass du heute im Podcast dabei bist.

00:14 · Pi Tumpaeng: Danke, dass ich hier sein darf.

00:15 · Amina Sipcanin: Sehr gern. Erzähl doch einfach mal etwas über dich und stell dich kurz vor. Was machst du bei pechschwarz? Ich freue mich, mehr über dich und deinen Job zu erfahren.

00:23 · Pi Tumpaeng: Ich bin Senior UX-Designerin, auch erst seit diesem Jahr Senior.

00:30 · Amina Sipcanin: Glückwunsch!

00:32 · Pi Tumpaeng: Ich habe hier zuerst die Ausbildung gemacht und abgeschlossen und bin seitdem Richtung Web unterwegs. In der Ausbildung habe ich vieles gemacht, jetzt liegt der Fokus nur noch auf UX/UI, und ich mache am Tag sehr viele unterschiedliche Dinge. Auch wenn man nur einen Bereich hat, tut man tatsächlich sehr Verschiedenes, denn Web ist nicht gleich Web.

00:59 · Amina Sipcanin: Das hast du schon gut eingeleitet: Web ist nicht gleich Web. Kurz vorher: Hast du Webdesign studiert oder eine Ausbildung gemacht? Du sagtest, du bist hier direkt eingestiegen.

01:11 · Pi Tumpaeng: Genau, ich habe die Ausbildung zur Mediengestalterin gemacht. Da gibt es zwei Bereiche, Konzeption und Digital, und im Digitalbereich fokussiert man sich eher auf Web. Da bin ich eingestiegen. Fun Fact: Ich hätte fast die Entwickler- statt der Designausbildung gemacht, weil mir Programmierung vorher gelegen hat. Dann habe ich mich aber last minute für Design entschieden.

01:45 · Amina Sipcanin: Krass, fast wärst du bei uns eine von den Devs geworden. Stell dir vor, du im Raum mit den Entwicklern. Ehrlich gesagt sehe ich dich eher im Designbereich, auch vom Style her, du bist ja sehr stylisch. Aber es bedeutet, dass dir Web einfach liegt. Wenn du sogar fast programmiert hättest, gefällt es dir offensichtlich. Was meinst du damit, dass Web nicht gleich Web ist?

Warum Web mehr ist als ein Baukasten

02:16 · Pi Tumpaeng: Viele denken, Web sei nur ein Baukasten, in dem man ein paar Kästchen zusammenschiebt. Bei uns bei pechschwarz sagt man aber, dass Web die Grundbasis für Design ist. Wenn man mich zum Beispiel fragt, ob ich Brand-Visuals oder einen Messestand gestalten kann, kann ich das, weil man im Web ein Designsystem-Denken haben muss. Du weißt ungefähr, wie die Stimmung ist, wie du mit Farben und Typografie spielst und wie du das in einem Designsystem aufbaust. Das ist extrem modular, nicht fix in 20 Komponenten, sondern du kannst es gefühlt unendlich weit gestalten und dich austoben. Deshalb ist Web nicht gleich Web, weil viele darunter nur eine Sache verstehen. Auch neue Kolleginnen und Kollegen denken manchmal: Ich mache Web, vielleicht wird es langweilig. Aber überhaupt nicht.

03:34 · Amina Sipcanin: Langeweile hast du, glaube ich, nicht. Wie eng arbeitest du mit den anderen Designern zusammen? Wenn ein Kunde zum Beispiel eine neue Website möchte: Wie gehst du vor, und wer übernimmt welchen Part?

03:54 · Pi Tumpaeng: Wir haben etabliert, dass wir erst einen Kick-off-Termin mit dem Kunden machen, bei dem das gesamte Projektteam vorgestellt wird. Manchmal sind zwei Designer dabei. Ich mache dann zum Beispiel den ersten Aufschlag und zeige dem Kunden, in welche Richtung Look and Feel gehen, und die zweite Person arbeitet die restlichen Seiten nach meiner Vision aus. Gerade mache ich vieles allein, und das ist nichts Schlechtes, weil ich dann immer weiß, wie ich es haben möchte. Mit einer zweiten Designerin braucht es viel Austausch, viel Kommunikation und Verständnis. Ich spreche von A, aber das heißt nicht, dass sie auch A versteht.

04:55 · Amina Sipcanin: Als Designerin meinst du?

04:56 · Pi Tumpaeng: Genau. Jede Person versteht trotzdem etwas anderes darunter, deshalb ist viel Kommunikation nötig. Aber gerade ist es bei vielen Dingen eine One-Woman-Show. Das ist viel, es kommt aber darauf an, welchen Umfang ein Projekt hat, und das ist bei uns ja sehr unterschiedlich. Und darauf, welche Kunden es sind. Jeder Kunde hat seine eigene Vorstellung vom Ergebnis. Auch wenn sie sagen: Ihr seid die Profis, ihr wisst schon, was ihr tut, wissen wir, dass sie sich selbst sehr viel vorstellen.

05:41 · Amina Sipcanin: Fairerweise haben sie genauso wie du eine Vorstellung im Kopf. Und manchmal kann man das nicht richtig in Worte fassen. Man denkt, man hat richtig gut gebrieft, sieht dann das Ergebnis und denkt: Vielleicht habe ich es doch anders ausgedrückt. Wobei ich auch sagen muss: Ihr seid die Profis. Man sollte mit euch zusammenarbeiten und nicht nur seine eigene Vision durchbringen wollen, sonst bräuchte man ja keine neue Website, wenn man sie selbst machen könnte.

06:25 · Pi Tumpaeng: Genau da kommen wir zum Punkt. Meistens sind es Kunden, die sich festgefahren haben. Sie wissen, dass sie etwas Neues brauchen, können aber nicht von der Vergangenheit loslassen. Ihre Website stammt von 2012 oder 2016, und für mich ist sogar 2020 schon alt. Das ist eine komplett andere Zeit, ein anderes Design, ein anderes System. Am Ende müssen sie uns vertrauen, weil das unser Daily Business ist. Ich hatte auch schon Kunden, die mir auf einem Whiteboard aufgezeichnet haben, was sie haben wollen. Aber so funktioniert es nicht. Gefühlt ist heute alles möglich, aber es kommt darauf an, wie das Budget ist und ob es überhaupt Sinn ergibt.

Trends, neue Tools und KI im Webdesign

07:39 · Amina Sipcanin: Klar, was ist das Ziel? Eine Seite kann total schön aussehen. Wenn das Ziel aber ist, dass jemand bis zum Ende scrollt, kannst du in der Mitte keine Stopper einbauen. Ich bin keine Designerin, du kannst mich gern korrigieren. Du hast gesagt, 2020 ist für dich schon alt. Achtest du immer auf neue Designtrends? Was heißt zu alt: die Systeme oder wirklich das Visuelle?

08:16 · Pi Tumpaeng: Das sagen wir im Designbereich gerade sehr häufig, weil wir uns viel Druck machen. Wir streben danach, etwas Neues zu gestalten, aber das ist unmöglich. Es gibt alles schon, und alles basiert auf Inspiration. Was ich mit zu alt meine, ist zum Beispiel, wie sich eine Sektion anfühlt, also wie sie sich bewegt. Früher war man viel Statisches gewöhnt, heute kannst du immersives Scrollytelling machen. Das ist etwas Neues. Designtrends sind letztlich Dinge, die man schon von früher kennt und die mit anderen Systemen oder anderen Stilen wieder aufgegriffen werden. Und auch auf die Performance müssen wir achten. Es kann nicht immer nur schön und aufwendig animiert sein. Und man hat heute einen komplett anderen Spielraum als vor sechs Jahren.

09:40 · Amina Sipcanin: Was gibt es denn heute Neues? Wenn du von neuem Spielraum sprichst, sind das neue Tools?

09:46 · Pi Tumpaeng: Richtig, neue Tools, vor allem jetzt mit KI. Figma bietet zum Beispiel MCP-Anbindungen an Claude oder ChatGPT. Wenn du bestimmte Funktionen haben möchtest, ist es viel einfacher, das an die Entwicklung weiterzugeben. Früher hat uns viel mehr die Frage gebunden, wie wir etwas umsetzen und wie viel Aufwand es ist. Jetzt können wir vieles erleichtern. Ich sage nicht, dass die KI alles selbst macht, natürlich nicht. Sie erleichtert nur vieles in der Arbeitsweise.

10:26 · Amina Sipcanin: Zeigt dir die KI dann direkt, was für die Entwickler im nächsten Schritt möglich ist?

10:31 · Pi Tumpaeng: Wir Designer müssen schon skizzieren, wie es sich ungefähr anfühlen soll, und auch da ist viel Kommunikation nötig. Vielleicht hat man coole Referenzen, und meistens ist es, wie gesagt, Inspiration aus mehreren Quellen, die wir zu etwas Neuem verpacken.

Vom Entwurf zur Freigabe

10:53 · Amina Sipcanin: Und bevor es an die Entwickler geht, was ist der Test? Du hast gesagt, es darf nicht nur schön aussehen, es muss die Kundenziele erfüllen und darf nicht zu animiert sein. Wie stellst du sicher, dass es auch gebaut werden kann? Wie funktioniert diese Schnittstelle?

11:12 · Pi Tumpaeng: Das ist Trial and Error, würde ich sagen. Man hat Ideen und Visionen, aber manchmal sitzt man da, probiert es aus und merkt erst dann, dass es doch nicht so einfach ist wie gedacht. Diese Phase sieht der Kunde nicht. Wir testen unsere Ideen erst selbst und struggeln erst einmal allein, bevor wir zum Endergebnis kommen. Wenn ich unsicher bin, ob etwas funktioniert, gehe ich meistens zu anderen Designern, oft auch zu Erik, weil er viel Wissen darüber hat. Das ist wie ein Sparring, und man bekommt Input, der extrem weiterhilft. Ich mag, dass bei uns mittlerweile alle komplett transparent sind: Wenn es nicht gut ist, ist es nicht gut. Wenn es nicht funktioniert, heißt es: Mach es weg und mach etwas Neues. Das ist sehr agenturtypisch, aber eigentlich richtig gut.

12:28 · Amina Sipcanin: Ganz ehrlich: In diesem Zwischenschritt, bevor es zum Kunden geht, darf es bei uns von mir aus fünfmal scheitern. Dann kommt das richtige Endergebnis, mit dem wir rausgehen wollen, denn wir haben einen hohen Anspruch. Wahrscheinlich muss man danach eh noch drei Dinge ändern. Aber bis dahin ist es besser, wenn du es fünfmal probierst, auch wenn es mehr Arbeit bedeutet, und verstehst, ob es überhaupt funktioniert. Was ist die letzte Version, bevor es an die Entwickler geht? Eine Figma-Datei?

13:09 · Pi Tumpaeng: Genau, es ist immer eine Figma-Datei. Erst wenn wir eine schriftliche Freigabe eingeholt haben, geht die letzte Version an die Entwicklung. So stellen wir sicher, dass im Nachgang keine Designänderungen mehr passieren. Das haben wir aus der Vergangenheit gelernt: Viele Kunden wollten auf einmal noch etwas angepasst haben, und das geht nicht.

13:38 · Amina Sipcanin: Was genau geht nicht?

13:39 · Pi Tumpaeng: Natürlich könnten wir das Design in der Entwicklung noch anpassen, aber das ist nicht Sinn der Sache. Deshalb gibt es eine finale Freigabe, die schriftlich festgehalten wird. Dann wird programmiert, und wenn danach Anpassungen kommen, sind es rein technische, keine visuellen.

14:05 · Amina Sipcanin: Das Figma-Board geht also aus eurer Projektgruppe an den Kunden. Wer ist in dieser Projektgruppe?

14:14 · Pi Tumpaeng: Immer der Operations Manager, die Designerin oder der Designer und die Entwicklung.

14:26 · Amina Sipcanin: Ich finde es gut, so eine Gruppe klein zu halten, weil die Kommunikation dann viel schneller funktioniert. Kommt ein Kunde direkt auf dich zu, wenn ihm in Figma etwas nicht gefällt?

14:33 · Pi Tumpaeng: Genau. Wir haben es so aufgeteilt, dass für Budget- und Angebotsfragen immer der Operations Manager zuständig ist, für Designfragen die Designerin und für technische Fragen die Entwicklung. Wenn es Designänderungen gibt, wenden sich die Kunden also nur an mich.

14:54 · Amina Sipcanin: Und wie sprecht ihr miteinander? Ist es dann eher ein „Mir gefällt das visuell nicht“? Oder bringst du den Kunden dazu, von Anfang an technisch mitzudenken, damit nicht nur kommt: Die Richtung gefällt mir nicht? Du brauchst ja Feedback, mit dem du wirklich arbeiten kannst. Wie schaffst du das?

15:18 · Pi Tumpaeng: Das ist leider immer unterschiedlich, und ich muss mich jeden Tag neu darauf einstellen, weil jeder anders Feedback gibt. Manchmal ist es sehr konstruktiv. Viele haben Ahnung, weil sie aus dem Marketing kommen und es für sie kein Neuland ist. Andere kommen eher aus der Industrie und können nicht so gut in Worte fassen, was ihnen nicht gefällt. Dann muss man ein Zwischenmeeting vereinbaren. Eigentlich haben wir feste Jour fixes, wöchentlich oder alle zwei Wochen, um Updates zu geben und zu präsentieren. Aber wenn kritischeres Feedback kommt und ich merke, dass ich intervenieren muss, wird es oft komplizierter, als es sein sollte. Natürlich versucht man schon in der Präsentation, die Kunden von der Arbeit zu überzeugen. Aber das klappt nicht immer, weil sie, wie gesagt, bestimmte Vorstellungen haben oder etwas von anderen Websites kennen.

Wenn Kunden die Website von Apple wollen

16:41 · Amina Sipcanin: Machen wir mal eine Apple-Website.

16:41 · Pi Tumpaeng: Genau. Ich liebe diese Aussage, wenn Kunden zu mir kommen und sagen: Ich will die Website von Porsche, von Tesla, Apple ist auch gut. Auch wenn es hart klingt, frage ich dann jedes Mal: Habt ihr denn das Budget von Apple oder Porsche? Das ist die Realität. Warum sehen sie so gut aus? Viele sagen, Apple ist so durchdacht, und das stimmt in jedem Aspekt. Aber Apple kann sich das auch leisten.

17:19 · Amina Sipcanin: Da sitzen ja nicht ein oder fünf Designer, sondern vielleicht 50 oder 500, die nur daran arbeiten. Die holen sich keine Agentur, die haben Inhouse-Designer.

17:19 · Pi Tumpaeng: Genau, das funktioniert so nicht. Kunden kommen mit sehr verrückten Vorstellungen zu uns, und wir kennen die Realität. Wir versuchen immer, einen Kompromiss zu finden. Manche Kunden sind kompromissbereit und beratungsoffen, andere gar nicht.

17:50 · Amina Sipcanin: Was machst du mit solchen Kunden? Sagst du dann: Wir finden leider keinen gemeinsamen Nenner, alles Gute? Oder lässt du dich darauf ein, es so zu machen, wie sie es wollen?

18:05 · Pi Tumpaeng: Auch dazu ein Fun Fact: In den fünf Jahren, die ich hier arbeite, wurde nur ein Projekt abgebrochen. Ansonsten versucht man immer, auf einen Nenner zu kommen. Ich lasse mich dann von Erik, von Domme oder von Mike, unserem Abteilungsleiter, beraten. Und wenn es gar nicht anders geht, setzen wir es eins zu eins so um, wie der Kunde es sich vorstellt, auch wenn wir innerlich wissen, dass es nicht funktioniert. Mit diesem Schmerz müssen wir dann leben.

18:39 · Amina Sipcanin: Aber meinst du, wenn sie merken, dass etwas nicht funktioniert, wollen sie es doch noch ändern?

18:44 · Pi Tumpaeng: Das ist immer so, sie kommen dann zurück.

18:49 · Amina Sipcanin: Dann ist es eher ein Learning. Es ist also nicht: Mir ist egal, ich mache es, wie du sagst. Sondern: Ich berate dich, und wenn du es nicht willst, können wir es versuchen. Eigentlich wissen wir von Anfang an, dass ihr wiederkommt, und das ist okay. Dann hat man wenigstens beides gesehen, und den Kunden geht es damit wahrscheinlich auch besser.

19:26 · Pi Tumpaeng: Genau, manche müssen den Schmerz einmal selbst spüren und daraus lernen. Mit diesem Mindset kommen sie dann zurück und sagen: Ihr hattet recht. Das haben wir sehr häufig, leider aber erst, wenn das ganze Geld schon ausgegeben ist.

Was eine gute Designerin ausmacht

19:55 · Amina Sipcanin: Schade eigentlich. Aber gut, dass viele auch direkt mit euch in einem Boot sitzen und sagen: Ihr seid die Experten, deshalb sind wir zu euch gekommen. Ich habe ein Problem und brauche eine Lösung. Für sie ist es gut, wenn jemand wie du mit Expertenwissen aus verschiedenen Bereichen dasitzt. Du hast am Anfang gesagt, Web ist nicht gleich Web, und das gilt auch für Design und den ganzen Bereich. Bei uns sind Designer, Entwickler und Projektverantwortliche eng vernetzt und geben ihr Wissen weiter. Was macht eine Designerin wie dich aus? Kein Fishing for Compliments, sondern: Was braucht man wirklich, wenn man deinen Weg einschlagen möchte?

21:12 · Pi Tumpaeng: Überraschenderweise steht bei mir an erster Stelle Verantwortungsgefühl. Man darf Fehler nicht hin- und herschieben, sondern muss sie hundertprozentig auch bei sich sehen. Sonst lernt man nie daraus und wird nie besser. An zweiter Stelle steht viel Research: Schau dich bei Größeren um, was sie gemacht haben, lass dich inspirieren und lerne daraus.

21:48 · Amina Sipcanin: Also von Benchmarks.

21:48 · Pi Tumpaeng: Genau, von Benchmarks. Und was ich unbedingt mitgeben möchte: Schäm dich nicht dafür, Tutorials anzuschauen. Das sagen die Leute nicht, aber ich bin wirklich nur so weit gekommen, weil ich zig Tutorials angeschaut habe, auch in der Ausbildung. Wir waren damals sehr wenige Leute, und ich konnte nicht ständig jemanden fragen, wie etwas funktioniert. Ich musste es mir selbst aneignen, deshalb sind Tutorials dein größter Freund.

22:30 · Amina Sipcanin: Einfach YouTube-Tutorials?

22:35 · Pi Tumpaeng: Es gibt so viele. Auch wir haben eine Plattform, ich habe den Namen gerade vergessen, mit ganz vielen Tutorials für ChatGPT, Figma und so weiter.

22:46 · Amina Sipcanin: Craft meinst du?

22:49 · Pi Tumpaeng: Nein, nicht Craft, eher so etwas wie ein Bootcamp. Schau dir das an und lerne immer etwas dazu. Schäm dich nicht dafür, dass du etwas nicht weißt. Ich glaube, das Problem ist, dass viele ein hohes Ego haben. Niemand will zugeben, etwas nicht zu wissen, weil man nicht inkompetent wirken möchte. Als ich meine Ausbildung gemacht habe, hatte ich kein Ego, sondern wusste, dass ich nicht viel weiß. Mit dieser Einstellung bin ich hierhergekommen. Das ist ein Unterschied zu jemandem, der einen Masterabschluss in Design hat und ein ganz anderes Mindset und Standing mitbringt. Aber man weiß nie alles, auch nach dem Master nicht.

23:40 · Amina Sipcanin: Generell lernt man bei jedem Thema immer dazu. Du bist mittlerweile Senior, und das kommt nicht von nichts. Du hast zig Tutorials angeschaut und dich weitergebildet. Natürlich braucht man das Interesse, sonst würde man in diesem Feld nicht arbeiten. Aber wenn man es hat, finde ich es genau richtig und wichtig, sich weiterzubilden, zu lernen und sich auszutauschen. Wie willst du sonst nach fünf Jahren schon Senior-Designerin sein? Wenn man nie auslernt, wie bildest du dich heute weiter?

24:40 · Pi Tumpaeng: Mit einer Retrospektive nach jedem Projekt. Bis heute ziehe ich aus jedem Projekt neue Learnings, sei es aus Kundenperspektive, also wie man kommuniziert, oder bei den Skills, weil sich alles ständig weiterentwickelt. Manchmal komme ich ehrlich gesagt gar nicht hinterher. Ich finde, es gibt kein Ende dafür, wie man sich weiterentwickelt. Es gibt immer etwas Neues zu lernen und immer etwas zu tun.

25:28 · Amina Sipcanin: Deshalb wird es dir nie langweilig. Du fängst jedes Projekt vielleicht gleich an, aber es endet nie gleich.

25:36 · Pi Tumpaeng: Never ever. Jedes Projekt, das ich abgeschlossen habe, ist anders ausgegangen. Gott sei Dank immer gut, aber der Weg dahin war jedes Mal anders.

25:50 · Amina Sipcanin: Mich würde interessieren: Wenn du auf einer Party gefragt wirst, was du eigentlich machst, was sagst du dann? Wir reden hier eine halbe Stunde darüber. Was verstehen die Leute, was denken sie, und was ist es wirklich?

26:06 · Pi Tumpaeng: Noch ein Fun Fact: Ich hatte eine Wohnungsbesichtigung, und der Vermieter hatte mich vorher gegoogelt. Er wusste, dass ich Webdesignerin bin, und dachte, Webdesign sei typisch WordPress, ein Baukastensystem. Ich sagte: Jein, ich gestalte das Design selbst. Es ist so schwer, das Leuten zu erklären, die nicht aus der Branche kommen. Ich kann nicht einmal genau erklären, wie ich eine Sektion aufbaue, weil sie sich das gar nicht vorstellen können.

27:00 · Amina Sipcanin: Da fängt es ja schon bei der Sektion an. Ich wette, er hat gesagt: Ah ja, verstehe, und hat es gar nicht verstanden, oder?

27:05 · Pi Tumpaeng: Nein, er hat angefangen zu erzählen, dass ich wohl für Fachmagazine arbeite. Ich dachte nur: Nein, ich weiß nicht, was Sie denken, was ich tue, aber nein. Irgendwann gebe ich immer auf und sage nur noch Ja und Amen, weil es kein Ende nimmt. Wir haben eben unsere eigene Bubble, und es ist schwierig, jemandem ohne Vorwissen den eigenen Beruf zu erklären.

27:42 · Amina Sipcanin: Doch, ich glaube, ich weiß, wie schwierig das ist. Meine Eltern wissen, dass ich in einem Büro arbeite, und verstehen ein bisschen was von Kommunikation und Marketing. Aber Webdesign? Wissen deine Eltern genau, was du tust?

27:55 · Pi Tumpaeng: Meine Schwägerin zum Beispiel kommt gar nicht aus der Branche und fragt mich, was ich mache. Meistens zeige ich ihr einfach das Endergebnis: Das ist eine Website, die ich gemacht habe. Jeder Mensch kennt eine Website. Wenn man einen Vergleich hat, versteht man es. Dann muss ich es nicht mit Worten erklären.

28:32 · Amina Sipcanin: Das passt perfekt zu deinem Beruf, der ja auch nicht aus Worten besteht, sondern visuell ist. Vor allem, wenn du ein Vorher und Nachher zeigen kannst, sieht man den Unterschied sofort. Ich bin hier auch mal herumgelaufen und habe gefragt: Erklär deiner Oma deinen Job in einem Satz. Alle sagten so etwas wie: irgendwas mit Marketing, irgendwas mit Google, irgendwas mit Design. Aber deine Antwort fasst es schön zusammen: Zeig einfach das Ergebnis, das spricht für sich. Und daran sieht man auch, warum du genau hier richtig bist und Senior bist. Vielen Dank für den Austausch und dafür, dass du mir nähergebracht hast, was du hier jeden Tag machst.

29:15 · Pi Tumpaeng: Danke dir, ebenso.

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